Erfahrungen mit winterharten Fuchsien nach einem ungewöhnlichen Winter




Der Winter 2011/2012 hat vielen Pflanzen hart zugesetzt mit totalen Ausfällen bei vielen Rosen, Narzissen, Efeu, Kirschlorbeer und unseren winterharten Fuchsien.

Die Ursache:

Bis in den Dezember sanken die Temperaturen nur selten unter 0° Celsius. Im Januar stiegen in vielen Teilen Deutschlands auf +15° C. Das beendete die Winterruhe vieler Pflanzen und der Austrieb begann. Verbunden mit der Aufnahme von Wasser in den Wurzeln und den oberirdischen Trieben.

Das zeigt diese Aufnahme einer winterharten Fuchsie am 14.Januar 2012

Die anfängliche Freude über den frühen Austrieb verging sehr schnell, als im Februar die Temperaturen innerhalb weniger Tage auf -20° C sanken. Der Frost dieser vierwöchigen Kälteperiode drang trotz Abdeckung tief in das Erdreich und zerstörte die mit Wasser gefüllten Pflanzenzellen.
So eine extreme Wettersituation habe ich in den letzten zwanzig Jahren, in denen ich mich mit der Kultur von winterharten Fuchsien befasse noch nicht erlebt.

Die Auswirkungen:

Der Austrieb begann viel später als in den vorangegangenen Jahren und er war sehr unterschiedlich. Hier Beispiele aus meinem Garten in der Nähe von Hannover. Zuerst trieben `Ernst Naschke´, `Bernisser Hardy´, F. magellanica var.`Arauco´ und F. mag. alba (molinae) aus. Sie waren nicht abgedeckt. Später folgten andere Magellanicaarten,` Mrs Popple´und für mich überraschend `Schöne Helena´. Mitte Juni war von den Sorten `Margaret´, `Margaret Brown´,` Chillerton Beauty´, ` Susan Travis´, `Genii´ , `Saturnus´ und einer nicht abgedeckten `Mrs. Popple´noch kein Austrieb zu sehen. Das änderte sich dann laufend. Die oben genannten Sorten bis auf `Saturnus´ und `Chillerton Beauty´ sind bis zum 15. Juli ausgetrieben. Die Sorten `Ernst Naschke´, `Arauco´, `David´, F, campus portoi und F. regia reitzii blühen zu diesem Zeitpunkt.

Die Lehren:

Aus vielen Mails und Beiträgen in unserem Forum musste ich erkennen, dass Geduld einiger Fuchsienliebhaber nicht ihre besondere Stärke ist, denn nach dem die Fuchsien nicht wie gewohnt früh austrieben, wurden sie „herausgerissen“. Mein bisheriger Rat, bis Anfang Juli mit derartigen Aktionen zu warten, halte ich für richtig.
Tatsache ist, dass winterharte Fuchsien, deren oberflächennahe Sprosse durch Frost zerstört wurden, in der Lage sind, aus ihrem tief liegenden Wurzelwerk mit den schlafenden Knospen neue Triebe zu entwickeln. Dazu bedarf es einige Zeit, bis diese an der Oberfläche sichtbar werden.

Häufig erscheinen nur ein oder wenige Triebe. Diese sollten nach dem dritten oder vierten Blattpaar entspitzt werden, um wieder verzweigte Pflanzen zu erzielen.


Das Foto zeigt eine `Margaret Brown´, die mit einem Trieb austrieb und durch rechtzeitiges pinzieren (entspitzen) sich stark verzweigte.

Um tief liegendes Wurzelwerk zu erzielen, ist bei einer Neupflanzung einiges zu beachten.
1. Den Boden tiefgründig auflockern, um den Wurzeln das Eindringen
in tiefe Bodenschichten zu erleichtern.
2. Winterharte Fuchsien cirka 10 cm tiefer pflanzen.
3. Nicht breitflächig überbrausen, denn das fördert besonders das Wachsen der Wurzeln im oberflächennahen Bereich und damit das Erfrieren der Wurzeln, sondern zentriert die einzelne Pflanze gießen, um das Wasser tief in die Erde eindringen zu lassen. Dann wachsen die Wurzeln in die Tiefe und erhöhen die Winterfestigkeit

Dazu ein Rat eines Britischen Fuchsienfreundes: Ein cirka 40 cm langes, ein Zoll starkes Rohr neben die Pflanze in die Erde stecken und dort das Wasser eingießen
Den besten Schutz erreicht man allerdings mit einer Unterpflanzung von immergrünen Bodendeckern, wie in der Broschüre „Winterharte Gartenfuchsien“ der Deutschen Fuchsien - Ges. aufgeführt.
All meine Fuchsien, die unterpflanzt sind haben diesen ungewöhnlichen Winter überstanden. Hier besteht die Unterpflanzung aus Waldsteinia.


Text und Fotos: K-H Saak