G. Dürr



Zur schönsten Gartenjahreszeit im Monat Mai der 80er Jahre, las ich durch Zufall in einer Gartenzeitschrift einen fast 8seitigen Bericht über Fuchsien, „die Schönen des Herrn Fuchs".

Ich war überrascht über diese Sortenvielfalt. Herr Fuchs wäre sicher auch so erfreut gewesen wie ich, hätte er die heutigen prachtvollen Arten gesehen, die seinen Namen tragen.

 

Meine Begeisterung über die damals wirklich schönen Abbildungen von `Cecile`, `Confection` und den Hochstämmchen kannte keine Grenzen, besonders hat es mir die ganzseitige Abbildung der fast reinweißen Fuchsie `Constellation` angetan. „Diese muss ich haben" das war mein erster Gedanke, denn bisher waren Fuchsien für mich nichts anderes als schöne Friedhofspflanzen in rot und rotblau, vielleicht noch hängend oder stehend und dann so eine positive Überraschung. Aus der Rubrik, „Bücher und Bezugsquellen", notierte ich mir für meinen nächsten Einkauf in der Stadt das lehrreiche Buch „Fuchsien" von G. Manthey. Dann machte ich sofort eine telefonische Bestellung bei Fuchsienkulturen Rudolf und Klara Baum. Nur mit meiner starken Überredungskunst schickten sie mir eine einzelne F.`Constellation´. Beim auspacken kam die Enttäuschung, es war ein kleiner, für mich in einem viel zu kleinen Topf, gut bewurzelter Steckling. Sofort setzte ich ihn in einen riesigen Topf, ich meinte es gut, denn ich wollte ja auch so ein schönes Bäumchen wie in der Zeitschrift haben. Dieser arme Steckling lebte wegen meiner viel zu gut gemeinten Behandlung nur wenige Tage. Aber wie immer im Leben, aus Fehlern kann man nur lernen, denn nun erst recht war meine Neugierde geweckt.

Nun las ich im „Mantheybuch" etwas genauer über die Pflege, Vermehrung, Erziehung sowie über dekorative Formen. Bestellte nach dem mitgelieferten Katalog von der Gärtnerei Baum, nun so alles was mir schön vorkam, natürlich wurde es viel zu viel. Nun war ich in dem Fieber, das fast alle unsere Fuchsienfreunde befallen hat. Der Fuchsienbazillus hatte mich voll erwischt und im Griff, die einzige, wirklich schöne, aufwendige und ansteckende „Krankheit". Bei so einer Krankheit sucht man nach Gleichgesinnten, was nicht besonders schwer war, denn mit der Mitgliedschaft in der DFG bekam ich auch die Adresse des Freundeskreises München und somit gehörte ich auch offiziell zu den „richtigen" Fuchsienfreunden. Bei unseren Fuchsientreffs saß ich meist an dem Tisch bei Frau Dietrich, sie gab mir viele Pflanzentipps und ich bewunderte ihre Kenntnisse und das Fuchsiennamensgedächtnis. Wusste aber lange nicht, es hatte mir auch niemand gesagt, dass sie zu den besten Züchtern Deutschlands gehört. Erst als ich alleine nach Augsburg zu einer Fuchsienausstellung fuhr, war ich erfreut, dort Frau Dietrich zufällig anzutreffen und zu meiner großen Überraschung wurde auch noch eine neue Fuchsie von ihr getauft. „Wie komme ich nun an die Neugetaufte" ganz einfach sagte Frau Dietrich "besuchen sie mich doch in meinem Gewächshaus". Das lies ich mir nicht zweimal sagen. Somit lernte ich durch häufigere Besuche und Gespräche bei Frau Dietrich die Fuchsienzüchtung etwas näher kennen.

Immer mehr kam in mir der Wunsch auf, auch mal selbst zu züchten. Schwer ist es ja nicht!? Versuchsweise fing ich an. Nahm also zwei Elternpflanzen, von denen jede ein für mich besonders Charakteristikum hatte, das dann gepaart in der neuen Pflanze vorhanden sein müsste. Aber weit gefehlt! Die ersten Blüten meiner selbst ausgesäten Fuchsien waren alle nicht mal der „Rede wert". Farbe und Wuchs ganz abseits meiner Vorstellung. Das einzig Faszinierende dabei war das Keimen der Saat, die Entwicklung, Pikierung und das Entstehen der ersten Blüten zu beobachten. Von nun an ließ ich es bleiben, war auch Platz sparender, denn zu dieser Zeit wohnte ich noch in einem Reihenhaus mit wenig Garten, Gewächshaus hatte ich auch keines und nur eine Fensterbrettvermehrung ist nicht ganz so gut geeignet für Sämlinge, welche ja keine stabile Winterruhezeit haben. Erst beim Einzug in mein neues Eigenheim mit größerem Garten und kleinem, beheizten Gewächshaus fing ich wieder mit Züchtungsversuchen an. Trotz all den Berichten, welche ich immer wieder gelesen habe, dass es nicht so recht zu verantworten sei, bei mittlerweile schon mehr als 20.000 Fuchsiesorten.

 

Ich bin da anderer Meinung. Wenn wir die Fuchsieninteresse erhalten wollen, muss man das Sortiment gelegentlich erneuern. Habe festgestellt, dass bei jeder Fuchsientaufe die Neugier an dieser „Neuen" besonders intensiv war und Fuchsien sammeln ist bei den meisten Fuchsienfreunden das Wichtigste. Erneuerung ist also gefragt und sehr wichtig, bedeutet aber auch verantwortliche Züchtungsarbeit. Das heißt, gezieltes Kreuzen. Eltern der Sämlinge müssen sicher bekannt sein und niedergeschrieben werden, schon allein wegen der Einsicht in die Vererbungslehre, um sie dann später eventuell weiter zu kreuzen. Man sollte da keine Fehler machen, wie eine Fremdbestäubung zulassen oder eine falsche Elternangabe machen. Schnell kommt man da in den Verruf eines „Beerenpflückers". Wer möchte das von den ernst genommenen Züchtern schon sein? Ich hab bei meinen Züchtungen häufig festgestellt, dass bei der ersten Sämlingsgeneration deutliche Merkmale der Eltern hervortreten, aber bei der zweiten, welche man durch Selbstbestäubung erhält, fast immer Neues entstanden ist, meist leider auch nichts Besseres. Glaube aber trotzdem, dass man mit großem Glück nur über F2 Hybriden zu wirklich Neuem kommen kann. Man kann es mit Lotto vergleichen, also reine Glücksache. Wenn ich zwei Scheine ausfülle hab ich nicht die doppelte Chance, sondern nur eine weniger von den vielen Millionen die es gibt. Und dafür hunderttausende von Sämlingen zu machen, um vielleicht als Erster die „Gelbe" zu haben, darin sehe ich keinen Sinn. Da fällt mir wieder ein Satz von Frau Dietrich ein: „Warum unbedingt eine Gelbe, es gibt doch schon so viele, schöne gelbe Blumen". Ein tröstender und sehr wahrer Satz.

Und doch sollte das Züchtungsziel stehts das Hervorbringen von neuen Farben und Formen, verbunden mit gutem Wachstum sein. Nur gute Sorten bleiben über eine lange Zeitspanne erhalten und das sind reich und schön blühende, gut verzweigende und leicht zu steckende Fuchsien. Diese Eigenschaften in einer Pflanze zu vereinen, das ist gar nicht so einfach und gelingt nur in den seltensten Fällen. Meiner Ansicht nach ist dies auch nicht immer so wichtig, außer für die Gartencenter. Es hat doch auch was für sich, eine wirklich schön blühende Rarität, eine so genannte, komplizierte Liebhaberfuchsie zu besitzen, um die gärtnerische Leistung zeigen zu können.

Und doch möchte ich ein verantwortungsvoller Hobbyzüchter bleiben, der Spaß an der Aufzucht und Pflege der Fuchsie hat, ich möchte den Markt nicht überschwemmen, sondern möglichst nur kulturwürdige Pflanzen weiter geben, um die Freude an diesen „ Schönen Ballerinen" weiterhin fördern und erhalten zu können.

 

 

Georg Dürr