Victor Lemoine


Zum hundertsten Todestag von Victor Lemoine!

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Dieses Foto, mit Victor Lemoine, ist der Broschüre "Les creations remarquables de Viktor Lemoine" von der Societé Nationale d'Horticulture de France entnommen.
„Sie sind alt....aber nicht in die Jahre gekommen", wie ich es einmal im Forum der DFG formulierte. Dazu gehören auch viele Sorten, von den über 450 Fuchsien-Züchtungen von Victor Lemoine, die immer noch existieren . Über 60 Sorten davon befinden sich, wie mir erzählt wurde, in den Händen unserer frz. Fuchsienfreunde, die gerne ihre Sammlung noch erweitern möchten. ‚Phénoménal', ‚Flocon de Neige', ‚Brutus', 'Dollarprinzessin', ‚Caledonia', ‚Heron', sind auch in meiner Fuchsiensammlung, die in gewisser Weise den Grundstock bilden.
Die Wertschätzung solch solider Züchtungen ist ungebrochen.
Nun ist der Züchter Victor Lemoine seit 100 Jahren tot (1823-1911) und damals (1912) erschien ein Bericht von Herrn F. Sieber, Obergärtner in Nancy in der „Gartenwelt".
Die Sektion Fuchsia der S.N.H.F. (Société Nationale d'Horticulture de France) vertreten durch Frau Simone Lomet und Alain Karg überreichte, zusammen mit der Stadt Nancy, nachfolgenden Bericht.


Claudia Denter;
Fuchsienkurier 2/2012


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Victor Lemoine, geboren am 21.Oktober 1823 in Delme(Lothringen), stammt aus einer alten Gärtnerfamilie. Weitere Ausbildung im Gärtnerberufe suchte und fand er bei N. Baumann in Bollweiler, bei Mellez in Lille und vor allem bei Louis van Houtte in Gent. Im Jahre 1850 ließ er sich in Nancy als Handelsgärtner nieder und gründete dort mit ziemlich geringen Mitteln das Geschäft, das jetzt unter der Firma Victor Lemoine & Sohn Weltruf hat. Bald nahm er unter den Meistern der Gärtnerschaft von Nancy den ersten Rang ein. Die Zahl der von ihm gezüchteten gärtnerisch wichtigen Pflanzenneuheiten wuchs und wuchs und heute ist sie groß. Der alte Herr Lemoine war einer jener immer seltener werdenden Gärtner, die sozusagen nur für die Pflanzen leben. Sein ausgezeichnetes Gedächtnis ermöglichte es ihm, sich ohne langes Besinnen der Namen längst verschollener Personen und Pflanzen zu erinnern. Von Pflanzen kannte er so ziemlich alles, was seit seiner Jugend in den Kulturen erschienen und wieder verschwunden war. Nicht selten bedauerte er durch die Zeitverhältnisse herbeigeführte Spezialisierung der Gärtnerei,, die ihn ebenfalls zwang, manchen seiner alten Lieblinge aufzugeben.
Es ist erstaunlich, wie umfassend die Arbeit dieses Meisters in der Pflanzenzucht ist. Von den vielen Gehölzen, Stauden und krautartigen Gewächsen, die er als Neuzüchtungen in den Handel gegeben hat, seien hier nur einige herausgegriffen: Die ersten gefüllt blühenden Knollenbegonien, ferner Begonia Martiana grandiflora, Lafayette, dann die nicht knollenbildenden Begonien Gloire de Lorraine, Perle Lorraine, und Patrie. Pelargonien: Gloire de Nancy ( die erste rotgefüllte Sorte), Paul Crampel (Meteor), Mine, Thibaut usw.

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Fuchsien: Emile de Wildeman und Bertrande. Dann die vielen Gladiolus-Hybriden, Phlox-Sorten: Flambeau, Coquelicot, Tapis Blanc usw. Ferner viele Astilben-, Delphinium-, Potentilla-, Pyrethrum-, Heuchera-, und Pentstemonzüchtungen. Verschiedene Monbretien und die ersten Hortensienhybriden verdanken ihm ebenfalls ihr Entstehung. Clematis: Otto Froebel, Lucie Lemoine, Etoile rose usw. Philadelphus: Lemoinei und viele Lemoinei - Sorten. Deutzien: Lemoinie und Lemoinei - Sorten. Gefüllt blühender Flieder: Lemoinei, Mme Lemoine. Einfach blühender Flieder: Congo, Pasteur, Réamur usw.

Von seinen Neueinführungen seien genannt: Clematis integrifolia Durandi, Hydrangea paniculata grandiflora, und H.arborescens grandiflora, Polygonum baldschuanicum, Deutzia Vilmoriniana, Virburnum carlesi und Sorbaria angustifolia ( syn.Spiraea Aitchisoni) und viele andere.
Etwas sechzig Jahre lang hat Victor Lemoine seine Züchtertätigkeit ausgeübt, dadurch ganz von sich selbst, ohne viel Reklame, sein Geschäft zu Weltruf gebracht und dem Gartenbau aller Kulturländer unschätzbare Dienste geleistet. Für alles, was in der Gärtnerei vorging, hatte er das lebhafteste Interesse. Trotz seinem hohen Alter war er, solange es sein Zustand erlaubte, unermüdlich tätig. Die Arbeit war ihm Bedürfnis. Er war auch sonst ein mit vorzüglichen Eigenschaften ausgestatteter Mann. Sein offenes Wesen ließ ihn nicht mit seiner Ansicht zurückhalten, er brachte sie immer in einer ihm eigenen, manchmal recht launigen Art zum Ausdruck. Obgleich der Verstorbene seine erfolgreiche Züchtertätigkeit in ziemlicher Stille verrichtete, sind ihm in seinem Vaterland und außerhalb dessen für seine Leistungen doch reichlich Anerkennungen zuteil geworden. Unter anderm war er Offizier der Ehrenlegion, und die hervorragendsten Gartenbau- und verwandten Vereinigungen Europas und Amerikas hatten ihn zum Ehrenmitglied ernannt.
Auch ist ihm von der Gartenbaugesellschaft von Massachusetts in Boston (Nordamerika) die „George Robert White Medal of Honor“ verliehen worden. Unter den Gärtnern Europas ist er der erste, der diese Auszeichnung erhalten hat. Nun hat er für immer die Augen geschlossen. Alle, die ihn gekannt und unter ihm gearbeitet haben, werden ihn in guten Angedenken behalten.

F.Sieber, Obergärtner in Nancy

Collage 1 und 2 von C.Denter mit Fotos von R.Friedl