Kohene oder de Coene?

Schon bei der Schreibweise des Namens gibt es unterschiedliche Deutungen. Lesen Sie in diesen spannenden Nachforschungen, warum das so ist.
Nachforschungen von Herrn Strücker
Nachforschungen von Herrn Rummel

Im FUCHSIENKURIER Nr. 4/1996 wurde von mir die nunmehr 100-jährige Fuchsie 'Trailing Queen' vorgestellt. Wie das nun mal so ist, möchte man bei einer guten Fuchsie auch etwas über den erfolgreichen Züchter wissen. So stellte ich am Ende des Berichts die Frage: "Weiß jemand mehr über den Züchter Kohene"?

Es meldete sich unser Fuchsienfreund Gerhard Rummel aus 76437 Rastatt (siehe auch weiter unten) mit dem Tipp, mal bei der Technischen Universität Berlin über die Fuchsie und deren Züchter nachzuforschen.

Auf meine Anfrage erhielt ich schon nach einigen Tagen von der Abteilung Gartenbau die Nachricht, dass man in der Dokumentationskartei / Stichwort Fuchsie 'Trailing Queen' auf zwei Artikel zu dem gesuchten Fuchsienzüchter gestoßen sei. Der korrekte Name lautet "de Coene":

1. Zeitschrift "Die Gartenwelt" Jg.4, 1900, Seite 409-412

2. Zeitschrift "Die Gartenflora" Jg.47, 1898, Seite 315.

Da die Jahrgänge der Zeitschriften auch in mehreren Bibliotheken des Bundesgebietes vorhanden sind, wurden über die Fernausleihe der Universitätsbibliothek Bochum Fotokopien der entsprechenden Artikel angefordert. In dem in der Zeitschrift "Die Gartenwelt" über deutsche Mustergärtnereien erschienenen Artikel "Die Handelsgärtnerei von Spielberg & de Coene, Französisch-Buchholz bei Berlin" heißt es:

"Die Gärtnerei von Spielberg & de Coene wurde im Jahre 1894 begründet. Spielberg, ein Deutscher, war vor der Begründung des Geschäftes in Belgien tätig, wo er die Bekanntschaft seines jetzigen Teilhabers machte, der, ein geborener Belgier, damals, obwohl kaum 20 Jahre alt, bereits in Gärtnereien Belgiens, Hollands, Frankreichs und Englands tätig gewesen war, und sich tüchtige Kenntnisse in den Spezialkulturen dieser Länder angeeignet hatte, die er in der neu begründeten Gärtnerei in vorzüglicher Weise zu verwerten verstand."

An anderer Stelle heißt es:

"Auch Ampelfuchsien der Sorte 'Trailing Queen' sind oft in Form prächtiger Schaupflanzen vorhanden....".

In dem in der Zeitschrift "Die Gartenflora" erschienenen Artikel "Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues am 26. Mai 1898" heißt es:

"Herr Spielberg & de Coene, Französisch Buchholz, hatten zwei Ampeln aufgehängt, die mit der Fuchsie "Trailing Queen', das heißt niederliegende Königin, bepflanzt waren. Diese so wenig angetroffene Sorte ist, wie Herr de Coene ausführte, gerade für Ampeln sehr geeignet und wenige der neueren haben dafür den gleichen Wert. Dieselbe wächst so üppig, dass eine Pflanze die ganze Ampel ausfüllt, während man sonst gewöhnlich drei einsetzen muss. Die üppigen Exemplare waren erst 3/4 Jahre alt."

Soweit die Angaben aus den beiden Artikeln, die die Fuchsie 'Trailing Queen' und den Züchter de Coene betreffen.

Was den Standort und die Wegbeschreibung zur modernen Handelsgärtnerei Spielberg & de Coene betrifft, wurden in der Zeitschrift "Die Gartenwelt" folgende Angaben gemacht:

"Französisch Buchholz liegt schon gewissermaßen in der zweiten Zone der Berliner Vororte, ist aber leicht zu erreichen. Etwa ein Dutzend Vorortzüge gehen während der Tagesstunden vom Stettiner Bahnhof nach Blankenburg ab, von wo aus man in wenigen Minuten zur Gärtnerei gelangt. Ein guter Radfahrer vermag vom Centrum der Stadt aus die Gärtnerei über Pankow-Heinersdorf in etwa 30 - 40 Minuten zu erreichen, während der Vorortzug bis Blankenburg nur 20 Minuten braucht."

Auf meinem Berliner Stadtplan finde ich Buchholz im Norden von Berlin an der Autobahn A 114. Ich möchte meinen Bericht wieder mit einer Frage abschließen: ob es in Berlin-Buchholz wohl noch etwas über die Gärtnerei zu erfragen gibt?

Wolfgang Strücker

Fuchsie 'Trailing Queen'

Die Fragestellung von Herrn Strücker im FUCHSIENKURIER Nr. 4/1996 beschäftigte mich insgeheim hinterher, nachdem ich den Hinweis mit der TU Berlin gegeben hatte, nun noch mehr. Ich erinnerte mich dunkel daran, den Namen "Kohene" schon einmal in einem anderen Zusammenhang gehört oder etwas darüber gelesen zu haben. So bat ich dann zur Abgleichung um die neuen Unterlagen, die in den Besitz von Herrn Strücker kamen. (siehe auch weiter oben)  Das gleiche Material fand ich nun auch in meiner unübersichtlichen Loseblattsammlung vor.

Lange vor Erscheinen des FUCHSIENKURIERS 3/1997 wandte ich mich an Freunde in der Schweiz. Diese wieder befragten Freunde im eigenen Land und im Ausland, ob es über "Kohene" und über noch mehr Fuchsien von ihm zu berichten gibt.

Als Züchter der beiden Sorten 'Liebreiz' (1874) und 'Trailing Queen' (1896) wird auch in der Schweiz der Name "Kohene" genannt.

"Die Theorie, was die Verwandlung des richtigen Namens "Coene" betrifft, ist wohl diese: "Coene" wird ausgesprochen als "Kune". Wenn ein nicht niederländisch sprechender "Coene" liest, spricht er es vielleicht aus als "Ko-ene". Ein anderer, der dies hört, macht dann ein "H" dazu, schreibt dieses auf und gibt die Stecklinge weiter mit dem geringfügig veränderten Züchternamen." - so der Hinweis aus der Schweiz. Aus Holland erhielt ich ähnliche Hinweise. Auch dort wird angenommen, dass der Name "Coene" als Wort mit zwei Silben ausgesprochen wird.

Ich nehme nun an, dass alle anderen Schreibweisen durch die besondere Dialektik des Abschreibens oder deren mündlichen Aussprachen entstehen konnten.

Mit der Gründung der Handelsgärtnerei von Spielberg & Coene in Französisch Buchholz bei Berlin im Jahr 1894 fällt auf, dass der noch sehr junge Teilhaber (de Coene) gerade mal 20 Jahre alt war. Dieser de Coene bringt 1896 seine 'Trailing Queen' auf den Markt.

Im Jahr 1874 (Kohene) kommt die Fuchsie 'Liebreiz' als Neuzüchtung an die Öffentlichkeit.

Am 9. Februar 1940 beschrieben in der Zeitschrift "Der Blumen- und Pflanzenbau" wird von der Fuchsiensorte 'Liebreiz' als Neuzüchtung berichtet. " - 'Liebreiz' ging aus einer Kreuzung von 'Marinka' x 'Emile de Wildemann' x 'Leverkusen' hervor. (Infos über Leverkusen in der Fuchsiengalerie unter Menna: hier klicken!)

Sie ist ein Gegenstück zu der bis heute ziemlich allein dastehenden Hängefuchsie 'Marinka', deren Wuchs sie übernommen hat. Farbton und Korolle stammen dagegen von 'Emile de Wildemann', und von 'Leverkusen' wurde die Vielblumigkeit geerbt." Ein ganz anderer aber sehr interessanter weiterer Hinweis erreichte mich aus der Schweiz. Da geht es um zwei belgische Fuchsienzüchter (Vater Albert Coene und dessen Sohn Frans Coene). Zusammen züchteten sie 20 Fuchsiensorten.

Coene Albert, B

'Auguste Gevaert' ? 'Francois Debois' ? 'Julienne de Mahon' 1853 'Souvenir de la Reine' 1854 'Globosa ranunkuliflora plena' 1856 'Rose Alba' 1856 'Striata formemissima 1856 'Globosa plenissima' 1856 'Montgolfier' 1857 'Béragner' 1858 'Président Van den Hecke' 1864 'Souvenier de Gentbrugge' 1869 'Mauve Princess' 1873 'Alphonse Fillot' 1876 'Totio' 1877 'Remor' 1877

Coene Frans, B

'Beauté de Gentbrugge' 1868 'Albert Coene' 1868 'Francoise Devos' 1869 'Misai' 1870

Aus Belgien bekam ich den Hinweis, dass es Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere "Coene" gab. Der Name "de Coene" wurde nie genannt. Eventuell gab es zu der Zeit ein Familienunternehmen, denn man spricht von den "fr`eres" (= Gebrüder) Coene, doch da Unterlagen fehlen, ist vieles zweifelhaft. Ein "Coene" ist aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt geblieben. Dessen Fuchsienzüchtungen konnte ich schon einem anderen Bericht entnehmen (s. oben). Ob es nun zwischen den vier Coene-Namensträgern eine verwandtschaftliche Verbindung gibt, wäre vorab reine Spekulation.

Meinen Freunden in der Schweiz, der Familie Cornelia und Ernst Angst (Gründungsmitglied der DFG), möchte ich danken für deren Auskünfte und den Freunden in der Schweiz und dem Ausland sowie für die große Mühe bei den Übersetzungen.

G. H. Rummel, Rastatt