Marie Butcher

Neuseeland von E.Frohmann


Hier nun ein Bericht über eine Fuchsienzüchterin aus Neuseeland. Ich habe Marie Butcher angeschrieben, weil ich von ihr eine Sorte in Kalifornien gesehen habe und halt wissen wollte, wer dahintersteckt. Der Brief, den Frau Butcher mir auf meine Bitte hin, sich in unserem FUCHSIENKURIER vorzustellen, postwendend geschrieben hat, ist sehr freundlich und auch sehr lang. Sie freut sich sehr, dass deutsche Fuchsienfreunde an ihr und ihren Züchtungen Interesse haben. Aber lassen wir sie selbst erzählen:

"...ich war sehr überrascht, als ich Ihren freundlichen Brief erhielt, und noch mehr überrascht, woher sie wohl meine Adresse haben....

Ich möchte Ihnen zuerst sagen, dass wir keine Gärtnerei haben, wir sind ein pensioniertes Ehepaar, und das Arbeiten mit meinen Fuchsienzüchtungen ist mein spezielles Hobby. Wir haben einen kleinen Garten, wir sind beide keine Gärtner, das Hobby meines Mannes sind Begonien, und mein Hobby, wie schon gesagt, ist das Züchten von Fuchsien. Wir haben in unserem Garten auch Rosen, die wir für Shows zur Verfügung stellen, wir haben Kakteen, Sukkulenten, Orchideen, Rhododendron, Azaleen und eine Menge ungewöhnlicher anderer Kübelpflanzen und auch einen kleinen Gemüsegarten.

Meine erste registrierte Züchtung entstand 1984. Ich habe noch vier andere, welche ich später beschreiben werde. Wie Sie wissen, brauchen die gezüchteten Sorten einen Versuch über drei Jahre, oder es kann genau bewiesen werden, dass die neuen Pflanzen genau ihren Eltern entsprechen.

Mit dem Tode unserer Tochter 1991 geriet mein Hobby ins Hintertreffen, meine Tochter war eine sehr bekannte Wissenschaftlerin in Entomology mit einem Doktor der Philosophie.

Ich warte nun im Augenblick auf Antwort von Amerika, ich habe dort vier meiner Sorten zur Registration angemeldet.

Momentan arbeite ich an einer Kreuzung mit Species und meinen eigenen Fuchsien.

Wir haben drei afrikanische Fuchsien, und ich warte für zwei nun auf Informationen aus Katalogen, um sie zu klassifizieren; sie sind sehr ungewöhnlich.

Alle Klassifizierungen für jede Pflanze bisher waren: "Diese ist gelb", "diese ist apricot" und "diese ist orange".

Ich habe eine Pflanze, vielleicht kennen Sie sie auch, sie ist hier bekannt als die "Himalaja Wasserfuchsie", sie wächst eher wir eine Sukkulente und sie ist sehr attraktiv.

Nun will ich Ihnen meine registrierten Fuchsien beschreiben.

'Jeanie Hannan', AFS-Nr. 2416, 1984

Das ist eine Kreuzung zwischen 'Pink Galore' und 'Lolita'. 'Pink Galore' ist der Samen-Elternteil (also pink) und 'Lolita' ist der Pollen-Elternteil (mauve).

Nach einigen Jahren entstand aus 'Jeanie Hannan' ein Sport, der weiße Blüten hervorbrachte, sehr lange weiße Sepalen und eine dünne einfache weiße Korolle, aber dieser Sport ist mir eingegangen, als ich versuchte, ihn zu vermehren.

'Jeanie Hannan' ist sehr gut als Busch zu ziehen aber auch für Hängeampeln geeignet. Die Blüten sind gefüllt, weiße Korolle und pinkfarbene Sepalen. Vermehrung ist einfach. Ich habe festgestellt, dass diese Sorte ein guter Pollenspender ist, aber nicht so gute Samen hervorbringt. Obwohl ich auch zur Zeit einige habe, mache ich die Kreuzungen mit 'Jeanie Hannan' auf der Basis als Samenpflanze. Besonders von dieser werde ich Ihnen später im Brief noch berichten.

'Parpa Keith', AFS-Nr. 3169, 1989

...ist eine Kreuzung zwischen 'Heron' und 'Ballet Girl'. Hier entstanden drei Sämlinge - alle drei sind gut aufrecht gewachsen bis auf eine, die eingegangen ist, so bleiben mir dann noch zwei übrig. 'Parpa Keith' ist eine sehr schöne und stark wachsende Pflanze.

Ich habe davon eine Säule gezogen, die sehr reichhaltig blüht, fast pausenlos. Die Blüte ist gefüllt, purpurne Korolle, rote Sepalen, sehr gut.

'Grandpa Herry', AFS-Nr. 3168, 1989

...ist ein Schwesternsämling zu 'Parpa Keith', dieselbe Kreuzung, 'Heron' x 'Ballet Girl'. Die Blüte ist einfach, Korolle purpurfarben, rote Sepalen. Sie wächst buschig aufrecht, kompakt mit sehr gesundem Wachstum, wie 'Parpa Keith', reichblühend.

'Roimata 'O' Clare', AFS-Nr. 3342, 1994

'Voodoo' x 'Pink Galore', Der Samen keimte im März 1989. Sie ist die schönste meiner Sorten. Halbgefüllt, purpurne Korolle und lange rote Sepalen. Sie wächst halbhängend als Busch, und ich habe sie als Spalierfuchsie gezogen.

Da gibt es eine Geschichte, die diese Fuchsie berührt. Die Fuchsie zeigte gerade Knospen, als meine Tochter starb; sie blühte zwei Tage nach ihrer Beerdigung. Meine Tochter hat sie nicht mehr blühen gesehen. Der Name meiner Tochter war Clare. Sie hat ein Buch geschrieben in Maori und Englisch, während ihrer Studien in Marqarodidae (kleine Insekten). Die Idee, dieses Buch in Englisch und Maori herauszubringen war, sowohl junge Maori-Studenten sowie auch andere natürlich, zu ermutigen, ein Studienfach in Insektenkunde zu belegen. Eine Maori-Lady kam eines Tages, etwa ein oder zwei Jahre bevor Clare starb, zu Besuch. Sie fragte mich: "Warum nennen Sie eine Ihrer neuen Pflanzen nicht 'Roimata'?" Ich fragte sie, was das sei, und sie meinte "das bedeutet Tränen". Und zu dieser Zeit hatten aber "Roimata" für mich noch keine Bedeutung. Nachdem die Fuchsie aber zwei Tage nach Clares Beerdigung blühte, fragte ich einen Schullehrer, über die Bedeutung des Wortes "Roimata". Er sah in seinem Wörterbuch nach und bestätigte mir, das heißt "Tränen". Und so sagte er nun, der korrekte Name für diese Fuchsie sei 'Roimata 'O' Clare'.

Clare reiste einige Male sehr weit nach Übersee; sie war ein Mitglied der NZ Royal Society D.S.I.R. in Auckland, wo sie auch angestellt war. Nach ihrem Tode hat diese Gesellschaft 5000 Dollar in ihrem Namen investiert und die Zinsen von diesem Geld werden Studenten erhalten, die in der Forschung über Insektenkunde arbeiten. Mein Mann Keith und ich sowie unsere gesamte Familie sind sehr froh darüber, dass man unserer einzigen Tochter Clare zu Ehren eine solche Stiftung ins Leben gerufen hat.

Die nächste registrierte Fuchsie ist ein Schwesternsämling von 'Roimata 'O' Clare'. 'Doctor Trevor Crosby', AFS-Nr. 3341; dieselbe Kreuzung: 'Voodoo' x 'Pink Galore'. Dies ist mehr ein aufrechter, buschiger Typ. Die Korolle ist gefüllt, purpurfarben, rote Sepalen, die sich zurückbiegen und leicht gedreht sind. Dr. Trevor Crosby war ein Kollege von Clare und ein sehr guter Freund, die beiden haben zusammen gearbeitet.

Nun warte ich auf eine Antwort von Amerika, denen ich vier weitere zur Registrierung geschickt habe. Ich kann Ihnen leider keine weiteren Details zu diesen geben, solange ich keine Registriernummer habe.

Ich habe noch verschiedene andere Fuchsien in diesem Jahre registriert; eine Gruppe von verschiedenen Kreuzungen und eine große Gruppe, von denen ich hoffe, dass der Vorname akzeptiert wird. Das wird es mir einfacher machen, für die Zukunft Namen auszusuchen.

Die große Gruppe von Pflanzen aus dieser einen Kreuzung, sind sehr interessant. Normalerweise habe ich nur Erfolg, wenn ich zwei oder drei Sämlinge einer Kreuzung aufziehen kann.

Diese letzte Kreuzung hat mir allerdings eine Überraschung bereitet. Es ist eine Kreuzung zwischen 'Jeanie Hannan' x 'Violett Gem'. Als die Zeit kam, nach meinen Sämlingen zu schauen, konnte ich meinen Augen fast nicht glauben: ich habe 69 Sämlinge gezählt. Das bedeutet, dass jeder einzelnen Samen aufgegangen ist. So hatte ich 69 Jungpflanzen. Dann begann natürlich die Arbeit. Sie mussten drei- bis viermal umgetopft werden, und ich wollte doch unbedingt das Ergebnis sehen. Sie blühten überreich, und als die Entscheidung kam, welche ich behalten und welche auf dem Kompost wandern sollten, habe ich aus diesem Dilemma ungefähr 40 Pflanzen behalten.

Natürlich hat jeder gesagt: "Meine Liebe, davon hätten Sie aber einige weggeben können, anstatt zu vernichten!" Selbstverständlich hätte ich niemals auch nur eine von diesen Pflanzen hergegeben, solange sie nicht registriert sind und einen Namen haben. Obwohl ich unbenamte Cultivare von kommerziellen Firmen oder Freunden bekommen habe, würde ich nicht einen einzigen Steckling von diesen hergeben. Viele meiner Fuchsienfreunde können das nicht verstehen.

Die Pflanzen meiner letzten Kreuzung, sogar die, die ich für wertlos halte, sind sehr gesunde Pflanzen. So haben wir davon eine Auswahl in unserem kleinen, engen Garten ausgepflanzt und mit der "the Royal Horticultural Colour-Chart" (Anm. der Red.: das ist die Farbenkarte, die die Königliche Gartenbaugesellschaft in England herausgebracht hat) haben wir Aufnahmen von all den Pflanzen gemacht, die ich behalten habe.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich jede einzelne Blume und Pflanze ist; wenn man die ganze Pflanze studiert, um zu sehen, ob sie buschig ist, aufrecht wachsend oder für Ampeln geeignet, oder für was auch immer. Und die Pflanzen selbst, die Blätter, der Stempel, die Staubgefässe, jedes einzelne Kultivar meiner letzten Kreuzung von 'Violet Gem' x 'Jeanie Hannan' unterscheidet sich vom anderen, das hat mich sehr befriedigt.

Ich freue mich nun auf eine Antwort von Ihnen und hoffe, dass ich Ihnen dann die noch ausstehenden Registriernummern geben kann...."

Marie Butcher hat mir noch eine Liste ihrer 210 Sorten mitgeschickt, die sie in ihrem Garten hatte. Fast alle davon sind auch bei uns zu haben. Dazu schreibt sie:

"Wir hatten alle diese Cultivare, die auf der Liste stehen. Aber da wir nur einen kleinen Platz zur Verfügung haben, und eine immer größer werden Anzahl unserer eigenen gezüchteten Pflanzen, mussten wir uns von einigen trennen. Wir haben welche privat verkauft und einige verschenkt. Wir haben auch an lokalen Tombolas für wohltätige Zwecke etliche gestiftet, andere in Gärtnereien gegeben, wieder andere haben wir in Gärten ausgepflanzt, die von pensionierten Leuten gepflegt werden. Natürlich sind auch mehrere so eingegangen. Aber alle sind, soweit ich weiß, in Gärtnereien in NZ zu haben.

Ich habe noch sechs andere in meinem Garten, die ich nicht aufzählen kann. Wir müssen erst versuchen, die korrekten Namen herauszubekommen...."