Wade Burkhart



Wade Burkhart ist der Fuchsienzucht verfallen: eine kreative Leidenschaft

Weiden. (ps) Urlaub im Frühjahr oder Sommer? Daran ist für Wade Burkhart gar nicht zu denken. Denn da benötigen seine "Kinder" die meiste Pflege. Der Wahl-Weidener ist - neben seinem Beruf bei Witt Weiden - Fuchsienzüchter. "Hobbymäßig", sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Aber vielleicht ein bisschen übertrieben." Für die Bundesgartenschau 2007 hat er die Taufpflanze "Flamme von Gera" geschaffen.

Die Leidenschaft für Pflanzen hat den US-Amerikaner - er stammt aus Chattanooga (Tennessee) - schon während der Highschool-Zeit gepackt. Und ein bisschen liegt sie wohl auch im Blut. "Schon damals habe ich mit meinem Bruder immer samstags in der Gärtnerei unseres Onkels gejobbt. Unsere eigene Familie hatte zuhause ein Gewächshaus für Orchideen." Also beschäftigte auch er sich zunächst mit Orchideen.

Entdeckerfreude

Doch mit seiner Liebe zur deutschen Sprache und - nach zwei Auslandssemestern in Regensburg - zu Deutschland, reifte der Entschluss, nach "good old germany" zu gehen. Über Tätigkeiten in Oberstdorf, Regensburg, Augsburg und Parkstein kam er schließlich 1994 zu Witt Weiden (Abteilung Rechnungswesen). "In Deutschland habe ich erstmals gesehen, dass man aus Fuchsien auch Stämmchen ziehen kann. Das hat mich fasziniert."

Dazu kommt seine Entdeckerfreude: "Es ist einfach spannend zu sehen, was rauskommt, wenn man zwei Pflanzen kreuzt und eine völlig neue Sorte schafft." Bei Fuchsien übrigens alles andere als einfach. Denn die Pflanzen haben sehr unterschiedliche Chromosomenzahlen: Sie variieren zwischen 22 und 88. "Die ungeraden sind meist steril. Und bei den übrigen funktioniert die Befruchtung nach dem Prinzip ,Versuch und Irrtum'." Wenn die Blüte sofort abfällt, ist alles klar. "Aber manchmal bilden sich Früchte ohne Samen. Doch das erfahre ich erst nach vier Wochen." Ausdauer ist gefordert. Die hat Wade Burkhart ohne Zweifel.

44 neue Fuchsiensorten hat der 50-Jährige seit dem Jahr 2000 herangezogen. Viele davon tragen die Namen von Bekannten und Freunden. Die allererste selbstgekreuzte Sorte beispielsweise - quasi die Urgroßmutter von "Barbara Meier" - heißt "Georg Gloßner", nach dem Weidener Gärtnermeister, der Burkharts Züchtungen überwintert und verkauft. Doch der Wahl-Weidener arbeitet ebenso auf Bestellung. So stammt zum Beispiel auch die Fuchsie "Jens Weißflog" aus seinem Haus. Fünf neue Sorten hat Burkhart allein in diesem Jahr herangezogen. "Ziel ist es immer, etwas Besseres, Schöneres zu schaffen. Fast so wie ein Künstler ein Kunstwerk erschafft." Die Einführung der neuen Sorten auf dem Markt erfolgt in der Regel ein Jahr später. 2008 wird auch "Barbara Meier" zu kaufen sein.

Die zeitaufwendige und komplizierte Materie ist wohl Schuld daran, dass es in ganz Deutschland nur "fünf bis sechs Fuchsienzüchter" gibt, wie Burkhart bedauert. Sieben Jahre Züchterarbeit stecken beispielsweise in "Barbara Meier": eine für Fuchsien ungewöhnlich sonnenrobuste Sorte, wie Burkhart betont. Was bei dem rothaarigen Top-Modell vermutlich weniger der Fall sein dürfte. Daneben zählt sie zu den Sorten mit ziemlich dunklem Kronblatt, die dem Ideal von Wade Burkhart langsam nahekommen. Sein Ziel: ein schwarzes Kronblatt mit schwarzen Kelchblättern oder noch besser: schwarze Kelchblätter und rote Kronblätter. Das könnte allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

1000 Ableger im Frühjahr

Bis dahin widmet Wade Burkhart den Frühjahr und Sommer weiterhin seiner Leidenschaft. Im Frühjahr produziert er rund 1000 Ableger: 700 für den Handel, 300 für Freunde und Bekannte. Im Sommer "spiele ich Biene" - wie er selbst sagt - und zieht neue Sorten heran. Seine freien Abende sind dann mit dem Hobby ausgefüllt.

Im Herbst - wenn er die Mehrzahl seiner Pflanzen in der Gärtnerei "geparkt" hat - kann er auch mal an Urlaub denken. Fliegt zur Familie in die USA oder empfängt Besuch von seinem Bruder. "Obwohl der gerne mal im Sommer käme, um mit mir durch Europa zu reisen", weiß der Fuchsienzüchter. Doch sein Hobby geht vor und schließlich meint er: "Im Oktober ist es in Europa doch auch noch recht schön."

"Acht Tage lang habe ich wegen Barbara Meier geschwitzt"
Pflanzentaufen - für Züchter eine nervenaufreibende Angelegenheit


Weiden. Pflanzentaufen gelten als Highlight einer Blumenschau. Für den Züchter allerdings sind sie nervenaufreibend: "Natürlich soll die Pflanze genau an diesem Tag wunderschön aussehen. Wochen danach ebenfalls. Aber genau an dem Tag sagt sie 'ätsch'. Manchmal denkt man, sie weiß es", erzählt Wade Burkhart aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

"Acht Tage lang habe ich wegen Barbara Meier geschwitzt." Dabei ging es dem Fuchsienzüchter aus Weiden weniger um Deutschlands neues Top-Modell als um seine jüngste Züchtung. Die sollte zur Taufe durch ihre "Patin" aus Amberg natürlich mindestens so glanzvoll aussehen wie die Namensgeberin selbst.

Doch das ist leichter gesagt als getan: "Acht Tage vorher hatten wir leichte Hagelschauer. Da hat sie schon einige Blüten verloren. Dann kamen drei bis vier Tage mit 35 Grad Hitze", erinnert sich Burkhart. Es folgte der Transport zur Händlerin, die die Taufe eingefädelt hatte. Dort die Beinahe-Katastrophe: "Es gab einen richtigen Hagelsturm. Christa Lehmeier hat die Taufpflanze im letzten Moment gerettet." Damit nicht genug: Die Fuchsie musste noch eine weitere Fahrt bei Hitze zur Ausstellung in Regensburg durchstehen. "Dann war es endlich geschafft. Mir fiel ein Stein vom Herzen", erinnert sich Wade Burkhart an den Termin in Regensburg: Mit einem Schlückchen Prosecco taufte die echte Barbara Meier aus Amberg die Neuzüchtung aus Weiden. Dabei hatte er bei "Barbara Meier" (der Fuchsie) keine Chance, die Blüte zu steuern. "Das ist möglich, wenn man die Pflanze sechs Wochen vor dem Termin radikal zurückschneidet. Aber dazu kam diese Taufe zu kurzfristig."

Den Namen hat er übrigens nicht selbst ausgewählt. Das machten die Veranstalter der Ausstellung. Für Züchter ist aber auch das keine Seltenheit. "Die Nachfrage nach Taufkindern ist sehr groß."

Quelle: Der neue Tag (Weiden), 05.09.2007