Züchter im Rampenlicht - Jan de Boer

Marleen Crucke-de Clercq

Im pittoresken Dörfchen Blesdijken im Südosten der Provinz Friesland wohnt der Züchter Jan de Boer. Nach Beendigung seiner aktiven Zeit als Kapitän bei der Handelsschifffahrt liess er sich erst in Nord-Holland nieder. Einige Jahre später bot sich ihm und seiner Frau Rie die Gelegenheit, einen Bauernhof mit grossem Garten in Blesdijke zu kaufen. Hier hat er nun genügend Platz um Fuchsien zu züchten und zu pflegen. Als Bauernsohn hat es ihn schon immer zur Natur hingezogen. So pflegte er bereits als Kind den Gemüsegarten und blieb auch dabei, als dieser in einen Ziergarten umgewandelt wurde. Als er dann zur See fuhr, war natürlich keine Rede mehr von einem Garten, doch hatte er immer Pflanzen und später gar Fuchsien mit an Bord.
Die erste Fuchsie sah er während einer Wanderung in Neuseeland im Jahr 1961. Entlang des Wanderweges wuchsen da grosse Fuchsiensträucher. Gemäss der lokalen Bevölkerung waren einige Sträucher schon mehrere Jahrzehnte alt. Zurück in den Niedelanden fand er bei einer Tante auch viele Fuchsien, u.a. auch eine „Göttingen“, von welcher er Stecklinge bekam. Diese Tante war übrigens eines der ersten Mitglieder des NKvF (Niederländischer Fuchsienverein). Der Steckling wuchs zu einer schönen Pflanze heran und damit war auch ein neuer Fuchsienliebhaber geboren. Es blieb nicht beim Aufziehen von Stecklingen zu schönen Pflanzen. Bald bekam Jan Interesse im Entwickeln von neuen Sorten. 1984 wollte er gerne winterharte Fuchsien für seinen Garten, aber in den Gärtnereien wurden keine angeboten. Es wurde damals allgemein angenommen, dass Fuchsien nicht winterhart seien, also beschloss er, selbst solche zu produzieren. Somit begann er also zu züchten und dabei ging er nicht den einfachen Weg: Er wollte ausgerechnet mit F. procumbens arbeiten, dabei war diese gemäss anderen Züchtern kaum fruchtbar.
Nach vielen Misserfolgen ist ihm dann doch eine Kreuzung mit F. procumbens gelungen, mit der er weiter kreuzen konnte. Nun ist es sogar so, dass beinahe in allen seinen neuen Kreuzungen F. procumbens vorkommen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Straat Malakka“, die übrigens auch die erste Kreuzung mit F. procumbens ist und für die Jan eines seiner wichtigsten Resultate darstellt. Ebenso eine wichtige Position nimmt „Straat Algola“ ein, weil da F. paniculata für traubenförmige Blüten sorgt.
Von Beginn an hat sich Jan ausgerichtet auf winterharte Fuchsien, aber auch den traubenförmigen widmete er viel Aufmerksamkeit. Die Kombination dieser Eigenschaften ist interessant und er arbeitet weiter in diese Richtung.
De Boers Züchtungen zeichnen sich dadurch aus, dass es starke, einfach zu haltende Pflanzen sind. Dies ist das Resultat seiner strengen Selektion. Die Neuigkeiten gehen nur vor die Prüfungskommision, wenn es sich um starke Pflanzen handelt, die sich einfach stecken lassen und für jedermann einfach zu halten und zu überwintern sind. Es müssen Kultivare sein, die auch ohne grosse Pflege reich blühen. Ein anderes wichtiges Kriterium ist die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge. Die zahllosen Sämlinge, die seine Anforderungen nicht erfüllen, werden vernichtet, ausser einigen, die doch spezielle Merkmale aufweisen. Diese werden nicht in Umlauf gebracht, dienen aber der weiteren Kreuzungsarbeit, in der Hoffnung, später doch noch Fuchsien mit speziellen Blütenformen oder -farben zu erreichen. Seine Kollektion mit dem Kennzeichen „Straat ….“ Ist gut bekannt bei den Fuchsienliebhabern. „Straat“ (Strasse) weist auf die vielen Meeresstrassen hin, die er als Seemann befahren hat.

Im Laufe der Zeit hat er 37 in den Niederlanden geprüfte Sorten herausgebracht, die alle auch bei der AFS in Amerika registriert sind. Diese Gruppe setzt sich aus sehr unterschiedlichen Pflanzen zusammen, darunter z.B. „Straat Futami“ aus dem Jahr 2004, die bereits sehr beliebt ist. Durch seine Freundschaft mit dem englischen Züchter E.Goulding sind viele seiner Produkte auch in englischen Fuchsiengärtnereien zu kaufen und sind auch dort kommerziell ein Erfolg. Jan findet es wichtig, seine Fuchsien durch unabhängige Experten prüfen zu lassen, sowie auch durch seine Züchterkollegen. Deren Meinung wird berücksichtigt beim Entscheid, ob eine neue Sorte in den Umlauf gehen soll.

Die Suche nach der gelben Fuchsie ist auch diesem Züchter nicht unbekannt. Er hat bereits mehrere gelbe Fuchsien entwickelt, doch waren es allesamt so schwache Pflanzen, dass sie nach einiger Zeit wieder eingingen und darum ist er damit nicht auf den Markt gekommen. Die Suche geht aber stets weiter. Jan hat nun eine Anzahl Pflanzen entwickelt aus F. procumbens und F. apetala. Die letztere ist eine Fuchsie ohne Krone, entwickelt aber doch einmal in ein paar Jahren eine Krone in einem leuchtenden Gelb. „Yellow Hart“ stammt von diesem Elternpaar ab und hat eine schöne hellgelbe Krone. Obwohl dies bereits ein sehr schönes Resultat ist, setzt er seine Züchtungsarbeit in dieser Richtung weiter fort. Sein ultimatives Ziel ist eine winterharte, gelbe und traubenförmig blühende Fuchsie. Den ganzen Sommer durch ist er in seinem grossen Garten eifrig am Bestäuben von Fuchsien, um möglichst viele Kombinationen auszuprobieren. Selbstverständlich gelingt es nicht immer, Samen zu bekommen, aber wenn es gelingt, ist vielleicht eine ganz besondere Kreuzung darunter.

Um erfolgreich züchten zu können, muss man Pflanzen mögen, denn nur dann kann man all die Mühen, Zeit und Geduld auf sich nehmen, um die Arbeit zu einem guten Ende zu führen. Dass Jan de Boer seine Pflanzen mag, ist überdeutlich. Er hat mit seinen Produkten einen grossen Beitrag an das Sortiment der niederländischen Fuchsien geleistet, z.B. mit „Rijs 2001“, „Taco“,“Siberoet“, „Straat Futami“, „Straat of Plenty“ und noch vielen anderen mehr.

Für beginnenden Züchter hat Jan folgenden Rat: Sehr streng selektieren! Hierfür auch Rat holen bei anderen Züchtern oder anderen Leuten mit Sachverstand und anschliessend alle schlechten Pflanzen wegwerfen. Sicher nicht Pflanzen an die Familie oder Freunde weitergeben, bevor sie nicht einen Namen haben und bevor sie vor die Prüfungskommision gebracht wurden oder bei der AFS angemeldet sind. Am Wichtigsten ist viel Geduld haben und warten auf die eine, gute, besondere und neue Fuchsie.

Quelle:Fuchsiana 3/2oo6
Übersetzung: Hans Eggenberger

( Siehe auch Postillion 1/2000)