Wissen

300 Jahre Fuchsien

Karl Strümper

Wie arm wären wir heute, hätten nicht Forschungsreisende in fernen Ländern nach neuen Pflanzen gesucht und diese Raritäten nach Europa gebracht.

Zu diesen großen Forschern gehörte auch der Franziskaner-Pater Charles Plumier, geboren am 20. April 1646 in Marseille.

Im Auftrag König Ludwig XIV unternahm Plumier mehrere Reisen nach Südamerika. Auf seiner ersten Fahrt von 1689 bis 1696 fand er im letzten Jahr auf der Insel Santo Domingo, heute Dominikanische Republik, einen kleinen Blütenstrauch, der er "Fuchsia triphylla flore coccinea" nannte; "Fuchsia" zu Ehren Leonhart Fuchs (1501-1566), eines deutschen Botanikers und Mediziners. Seinerzeit war es so üblich, neu entdeckten Pflanzengattungen den Namen berühmter Persönlichkeiten zu geben.

Mit Stolz und Freude können wir in diesem Jahr auf die Entdeckung der Fuchsie vor dreihundert Jahren zurückblicken.

Freuen wir uns aber auch über das, was von Züchtern in den zurückliegenden Jahren aus den später noch entdeckten Arten hervorgebracht wurde.

Frau Gerda Manthey schreibt in ihrem Buch "Fuchsien": "In der Periode von 1768 bis 1840 wurden immer neue Fuchsienarten entdeckt und mit schöner Regelmäßigkeit nach England eingeführt. Die größeren Gärtnereien rüsteten sogar eigene Expeditionen aus, um neue Pflanzenarten nach England zu bringen. So schickte die Firma Veitch & Son in Exeter, Devon, William Lonn nach Südamerika. Der deutsche Botaniker K. T. Hartweg sammelte von 1836 bis 1843 im Auftrag der Royal Horticultural Society in Mittelamerika." Heute sind ca. 110 Wildarten bekannt.

Hatten schon die Fuchsienarten die Blumenfreunde in Europa begeistert, so begann mit der Einführung neuer und besonders schöner Hybriden ein wahrer Fuchsienboom, der bis heute angehalten hat. Durch züchterische Arbeit hat man erkannt, was an genetischem Potential in der Fuchsie steckt.

Die Vielfalt der Farben und Formen ziehen uns in den Bann und wecken bei vielen Fuchsienfreunden die Lust, sich züchterisch zu betätigen. Ist die Chance sehr gering, etwas "Neues" - etwas "Außergewöhnliches" hervorzubringen, so liegt doch die Neugierde und die spätere Freude über das Ergebnis dicht beieinander.

Dreihundert Jahre Fuchsia - kaum eine andere Pflanzengattung kann auf so eine stolze Entwicklung zurückblicken.

Aus einem kleinen Blütenstrauch und der Hybridisierung später entdeckter Arten ist eine Pflanzengattung entstanden, die von kaum einer anderen erreicht wurde.

Wir sind stolz auf unsere Fuchsien und danken Charles Plumier.

Karl Strümper