Ein neuer Fuchsienschädling

Ungewollte Ausbreitung:

Amerika:

1947 von Brasilien nach Kalifornien eingeschleppt

mittlerweile über ganz Kalifornien, Oregon und Washington verbreitet

Die Universität von Kalifornien in Berkeley forschte Anfang der 1980er Jahre. Der Bericht wurde über die Amerikanische Fuchsiengesellschaft (AFS) veröffentlicht.

Frankreich:

2001 von Kalifornien nach Frankreich / Bretagne eingeschleppt

2004 waren 100 Privatgärten befallen, keine Gärtnereien. Ein Pflanzenaustausch mit der betreffenden Region ist nicht mehr möglich.

Deutschland:

im Herbst 2006 erstes Auftauchen im Raum Kassel, Nordhessen

DDFGG, DFG und die Pflanzenschutzämter bemühen sich um Aufklärung.

Gesammelte Informationen über die Fuchsiengallmilbe

Fuchsiengallmilben sind Mitglieder der Spinnenfamilie.

Größe: Winzig, erst mit etwa 40facher mikroskopischer Vergrößerung sichtbar. Sie haben einen wurmförmigen weißlich bis gelben Körper mit zwei Paar Beinen. Sie bevorzugen Fuchsien mit weichen Blättern, sammeln sich um neue Blätter und Blütenknospen. Die Fuchsiengallmilbe frisst das neue frische Grün. Dabei wird eine Wachstumshormonsubstanz eingespritzt, die das Pflanzengewebe veranlasst zu schwellen und die es entstellt. Die Weibchen legen Eier. Die Eier entwickeln sich in 1 – 2 Wochen. In 2 – 4 Wochen werden die Milben erwachsen und bewegen sich zu neuen Stellen auf der Pflanze. Das angesteckte Gebiet sieht haarig und manchmal auch rötlich aus. Es ist anzunehmen, dass auf einer entdeckten Schadstelle schon mindestens 100 Schädlinge in div. Größen sind.

Fuchsiengallmilben. halten sich aber nicht nur im angesteckten Gebiet auf, sondern überall an der Pflanze, auf Blättern, Blüten, Knospen, Stielen und Zweigen, möglicherweise auch auf der Oberfläche des Bodens. Die Eier werden manchmal auch geschützt unter die lose Rinde gelegt.

Verbreitung:

Es ist möglich, dass der Schaden an Pflanzen erst nach mehreren Monaten bemerkt wird. Vorher schon können die Schädlinge durch Kontakte (hantieren mit der Pflanze, wie Weiße Fliegen oder Blattläuse zerdrücken, umtopfen, Stecklinge schneiden usw.) auf andere Pflanzen übertragen werden.

Temperaturbedingungen:

Die Fuchsiengallmilbe genießt mildes Klima. Frost ist für sie unverträglich, bei Temperaturen ab 45 °C stirbt sie ab. Sie leidet auch unter zu viel Wärme, so dass diese Milbe in Gewächshäusern im Allgemeinen nicht überlebt.

(Anmerkung Friedl: Nicht schlecht also, wenn man ausgereifte Fuchsien vor dem Einwintern und Rückschnitt erst mal einem minimalen Frost aussetzt und dann zurückgeschnitten und vollständig entlaubt einräumt, wie schon so oft besprochen als beste Vorsorge gegen weiße Fliegen.)

Gegenmassnahmen in Amerika:

Laut dem amerikanischen Bericht sind die meisten Gegenmittel, die auf die Pflanzen gesprüht werden, durchwegs in der Lage eine größere Menge von Schädlingen zu töten, jedoch ist es nicht realistisch zu glauben, dass eine einmalige Anwendung jede lebende Fuchsiengallmilbe tötet und jedes Ei auf der Pflanze ersticken wird. Es wäre eine sehr gründliche 2- oder 3-malige Behandlung erforderlich.

Die Universität von Kalifornien in Berkeley empfiehlt nach ihren Tests folgendes Vorgehen: Sobald man einen von Fuchsiengallmilben verursachten Schaden an Pflanzen bemerkt, sollte man das angesteckte Gebiet herausschneiden, mindestens 2 Knoten unter dem Schaden stutzen, und dann die Pflanze gründlich einsprühen. So wird die Anzahl der Schädlinge auf eine solch niedrige Stufe reduziert, dass mehrere Monate fuchsiengallmilbenfreies Wachstum genossen werden kann. Eine 100%ige „Reinigung“ wäre mit einem immensen Aufwand verbunden, der im Privatbereich fast nicht durchführbar ist. Angesteckte Pflanzen sollen nicht überwintert werden und auch nicht in den Bioabfall kommen. Dr. Peter Baye glaubt sogar, dass es in befallenen Gebieten an der Zeit ist über Fuchsien als Einjahrespflanzen nachzudenken. Infizierte Pflanzen gehören in den Abfall (Restmüll). Im nächsten Jahr kauft man sich wieder einige neue Fuchsien. Dr. Peter Baye ist langjähriges Mitglied der Amerikanischen Fuchsiengesellschaft (AFS), hat einen Doktorgrad der Botanik und ist Züchter von Fuchsiengallmilben, um damit die in letzter Zeit gezüchteten „widerstandsfähigen“ Fuchsien zu prüfen.

Wie ist es nun mit ausgepflanzten Fuchsien (z.B. winterharte Fuchsien), von denen man versuchen möchte alle Fuchsiengallmilben zu entfernen. Dr. Baye empfiehlt den Rückschnitt, so weit herunter wie es vertretbar ist; alle Blüten, Knospen, Blätter und die lose Rinde von der Pflanze entfernen. Man verwende eine Zahnbürste o. Ä. und Handschuhe um die alte und lose Rinde zu entfernen. Alle heruntergefallenen Pflanzenteile, die lebende Fuchsiengallmilben oder Eier auf sich haben könnten, aufsammeln, möglichst noch die oberste Bodenschicht entfernen und dann die Pflanze 2 – 3 x im Abstand von 7 – 10 Tagen gründlich mit einem Akarizid einsprühen. Ohne Blätter auf der Pflanze sollte man im Stande sein, eine gründliche Arbeit zu tun und jeden Zentimeter der entlaubten Pflanze einzusprühen. Sobald die Pflanze neue Blätter ansetzt, sinken die Chancen auf Erfolg ganz wesentlich.

Was ist jetzt bei uns zu tun?

Fuchsiengallmilben nur zu reduzieren bedeutet, dass sich die verbleibenden Schädlinge weiter ausbreiten können. Infizierte Fuchsien gehören entweder 100 %ig behandelt oder sofort in den Abfall. Vielleicht können wir so die bis jetzt noch wenigen angesteckten Fuchsien aus dem Verkehr ziehen, sonst haben wir später auf allen Fuchsien Gallmilben.

Richtig ist es in jedem Fall, bereits im Zweifelsfall auf einen Transport / Tausch / Kauf von Fuchsien oder Pflanzenteilen zu verzichten.

Wichtig wäre es auch im Falle eines Befalles das zuständige Pflanzenschutzamt und die Fuchsiengesellschaften zu informieren. Nur wenn die Problematik von offizieller Seite richtig eingeschätzt werden kann, können wir auf die notwendige Aufklärungsarbeit hoffen. Noch ist die Fuchsiengallmilbe viel zu wenig erforscht. Jetzt haben wir für die Forschung sofortigen Handlungsbedarf.

Bis jetzt ist erst ein kleiner Bereich in unserem Land betroffen. Die jetzige Handhabung mit angesteckten Pflanzen wird Einfluss auf die Fuchsienkultur der nächsten Jahre und Jahrzehnte haben.

Durch Fuchsienmilben hervorgerufene Wucherungen an Fuchsienblättern,
Foto aus ASF Bulletin Mai/Juni 2004

Zusammenfassung aus umfangreichen Übersetzungen von Herrn Manfried Kleinau (2. Vorsitzender der Deutschen Dahlien-, Fuchsien- u. Gladiolengesellschaft und Sekretär der Eurofuchsia),

Quelle Bulletin der Amerikanischen Fuchsiengesellschaft u. persönliche Kontakte

Rosi Friedl

Fuchsien-Freundeskreis München, Stand 16.11.06