Winterharte Sorten

Werner Garbe, Garbsen

Winterharte Fuchsien sind Wildformen oder Sorten, die den Wildformen noch sehr nahe stehen. Die Blütenart der Sorten sind einfach und den Wildformen ähnlich, zum Teil aber auch gefüllt. Viele Fuchsienarten bzw.- -sorten sind bei Beachtung einiger Grundregeln in unserem Klima bedingt winterhart. Die Pflanzen verhalten sich ähnlich wie Stauden; bis auf wenige Ausnahmen frieren die oberirdischen Teile zurück. Im Frühjahr von April bis Mai treiben die Pflanzen mit kräftigen Ruten aus dem Wurzelstock wieder aus. Sie blühen dann in der für Fuchsien normalen Zeit, also von Juni bis zum Frost. Die Fuchsia regia ssp. reitzii mit ihren Formen bildet die Ausnahme; das oberirdische Holz friert im allgemeinen nicht zurück, sie treiben auch aus den verholzten Teilen wieder aus. Diese Fuchsienart ist resistenter gegen Frost; die grünen Triebe können einige Grade Spätfrost sowie auch bis zu -5 °C Herbstfröste vertragen. Sie sind auch weitestgehend resistent gegen Blattwanzen, Rost, Krautfäule usw.

Allgemeines

Entgegen weitverbreiteter Meinung gedeihen alle Fuchsien bis auf wenige Ausnahmen in voller Sonne am prächtigsten, wenn bestimmte Grundregeln beachtet werden. Die Wurzeln können sich nicht wie die oberirdischen Teile durch Transpiration abkühlen, so werden sie durch hohe Wärme und Sonneneinstrahlung regelrecht verbrannt. Darum ist es wichtig, den Wurzelbereich zu schattieren, kühl und ausreichend feucht zu halten. Salopp gesagt: "Den Kopf in die volle Sonne, aber den Fuß in kühlen Schatten"; und auf den Tag bedacht, entsprechend mit ausreichend Feuchtigkeit versehen. Die Ausnahmen sind nicht von der Blütenfarbe abhängig, sondern wenn die Leitungsbahnen im Verhältnis zum großen Blatt- und Blütenvolumen zu dünn sind, und somit die zur Transpiration benötigte Wassermenge nicht nachfließen kann.

Standort - Planung

Bei der Wahl des Standortes ist die Gesellschaft mit Stauden oder Kleingehölzen zu empfehlen. Da die Fuchsien einen vollsonnigen Standort vertragen, und dort einen gedrungenen Wuchs entwickeln, blühen sie reicher als an einem schattigen Platz. Starker Wurzeldruck von Bäumen und Gehölzen muss vermieden werden, da sie Nährstoffe und Feuchtigkeit den Pflanzen entziehen. Mangelnde Bodenfeuchtigkeit im Winter führt zu Pflanzenausfällen, die durch die sogenannte Wintertrockenheit (Trockenfrieren) entsteht. Bei der Einordnung der Fuchsien in der Gesellschaft mit anderen Pflanzen sind Kenntnisse über Höhe sowie Breite der Fuchsien und den Pflanzabstand ein sehr wichtiges Kriterium. Die Vielfalt der "winterharten Fuchsien", bezogen auf das Wuchsbild, macht es möglich, in vielen Teilen einer Gartengestaltung Fuchsien zu integrieren. So lassen die einen oder anderen sich in Staudenrabatten oder im Steingarten, über Mauern und als Ranker in lockere Gehölze bzw. an Klettergerüsten nutzen.

Standortbedingungen

Den Ansprüchen entsprechend gedeihen winterharte Fuchsien in einem normalen, lockeren, humosen Gartenboden, aber ohne stauende Nässe. Der Boden muss durchlässig sein, eine gute Krümelstruktur mit guter Pufferung in bezug auf Nährstoffaustausch haben. Der PH-Wert sollte im neutralen bis leicht sauren Bereich (PH 5,5 - 6,5) liegen. Die Fuchsien sind mit einem Teil ihrer Wurzeln flach an der Erdoberfläche. In den immer erneuerbaren Wurzelspitzen wird vermutlich das Wachstumshormon gebildet. Dieses Wurzelsystem muss vor Sonnenbrand geschützt werden. Eine leichte Abdeckung mit Rindenmulch kann da nützlich sein. Alternativ bietet sich eine Unterpflanzung mit immergrünen Bodendeckern als idealer Schattenspender an. Zu empfehlen sind: Waldsteinia ternata, Efeu oder Pachysandra (bei höheren Fuchsien) u.ä.. Ein besonderer Vorteil besteht darin, die Fuchsienrabatten pflegeleichter zu erhalten, und durch das dichte wintergrüne Blattwerk wird ein weiterer Winterschutz unnötig.

Pflanzzeit und Pflanzen

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Das Aussetzen der Jungpflanzen darf erst nach den Eisheiligen erfolgen. Letzter Pflanztermin ist Mitte Juli. Es werden nur gut entwickelte Pflanzen verwendet. Die Pflanzen werden ca. 10 cm tiefer als normal gepflanzt. Das schützt den Wurzelstock vor starkem Frost und Austrocknen. Junge Pflanzen setzt man am besten in eine Mulde, die spätestens im Herbst aufgefüllt wird. Vor dem Pflanzen muss der Boden gut durchgegraben werden, so dass keine aktiven Fremdwurzeln vorhanden sind. Nach dem Pflanzen ist der entsprechende Schattenspender anzulegen.

Düngung

Fuchsien im Freiland sollten nur mäßig gedüngt werden. Ein zu kräftiges Mästen kann eher schaden als eine zu schwache Düngung. Eine kräftige Düngung lässt die Pflanzen sehr stark wachsen, verhindert die Blütenbildung und vermindert die Winterhärte. Je nach Bodenart und -beschaffenheit (PH-Wert) ist eine Kalkdüngung zu empfehlen. Vor dem Pflanzen sollte pro m² 25-50 Gramm kohlensaurer Gartenkalk eingearbeitet werden. Vor dem Einpflanzen und im Frühjahr der Folgejahre kann eine Grunddüngung erfolgen. Zur Anwendung kommt ein ausgeglichener Volldünger mit Spurenelementen (wie 15 + 9 + 15 + 2). Handelsübliche chloridfreie Dünger bzw. Langzeitdünger wie Blaukorn, Floranid permanent u. ä. sind zu empfehlen. Die erste Nachdüngung sollte bei Beginn der Blüte erfolgen (zu erkennen, wenn aus dem Bereich der Blattachseln der Triebspitzen nur Knospen und keine Seitentriebe austreten). Zur Anwendung kommt ein ausgeglichener, wasserlöslicher Volldünger mit Spurenelementen, wie Hakaphos blau, Osmosol 614 R oder Flüssigdünger wie Compo-Flüssig, Wuxal-Super oder Floranid permanent u.ä..

Gießen

Auch das Gießen bzw. Beregnen will verstanden sein. Gießen, wenn erforderlich, möglichst morgens nach Wetterlage und Standort entsprechend.

Achtung: die Pflanzen, die morgens noch ausreichend feucht sind, nicht gießen!

Pflanzenschutz

Bei Befall von Krankheitserregern fragen Sie Ihren Gärtner. Es sind geeignete Schutzmassnahmen mit handelsüblichen Mitteln nach Vorschrift des Herstellers vorzunehmen.

Winterschutz

Nach den ersten Frösten im Herbst können die Triebe um 1/3 zurückgeschnitten werden. Die Pflanzen werden leicht angehäufelt oder mit Rindenhumus oder Laub abgedeckt, oder mit Tannenzweigen bedeckt. Die Pflanzen der Fuchsia regia ssp. reitzii werden nicht zurückgeschnitten, da sie im Frühjahr wieder austreiben. Im zeitigen Frühjahr wird die Abdeckung entfernt und erfrorenes Holz wird zurückgeschnitten. Eine Alternative zu der oben genannten Abdeckung ist das Unterpflanzen mit immergrünen Bodendeckern (wie bei Standortbedingungen erwähnt). Diese Unterpflanzung dient als Schattenspender und als Winterschutz für den Wurzelbereich. Ein besonderer Vorteil besteht darin, Zwiebeln von Frühjahrsblühern mit in die Pflanzung zu setzen. Die Fuchsien entwickeln sich im Laufe des Sommers immer wieder zu neuer Schönheit.

Werner Garbe, Garbsen

Quellennachweis:

Gerrit van Veen; Titel: "Winterharte Fuchsia's, J. H. Gottmer

Karl Heinz Saak; Titel: Information "Winterharte Fuchsien"

DFG e.V.; Titel: Ratgeber - "Fuchsien - ein besonderes Hobby"