Pflege von Wildformen

Elisabeth Schnedl übersetzte mit freundlicher Genehmigung einen Text von Dave Green.

Die Wildformen der Fuchsien erleben in den letzten Jahren steigende Popularität. Die meist eher kleinen Blüten gefallen auch vielen, die für großblütige Hybridenformen nicht zu begeistern sind.

Ich werde oft gefragt, welches der beste Weg ist, Wildformen von Fuchsien zu pflegen. Das ist, glaube ich, die "65 Millionen Dollar-Frage". Um ehrlich zu sein, ich weiß keine Antwort. Wir alle haben unsere Vorliebe für die "geheime Mischung" unseres Erdsubstrates, und die meisten sind damit auch ganz glücklich. Deshalb will ich auch hier nicht von einer Änderung von etwas raten, das Sie seit Jahren benützen. Wir alle haben auch unsere eigene Methode, um etwa zu kultivieren, entweder im Topf, im Gartenbeet oder das ganze Jahr hindurch unter Glas. Hauptsache ist, man ist dabei glücklich, und die Pflanze ist es auch.

Während meiner Reise durch Südamerika hatte ich die Gelegenheit, das Wachsen der Wildformen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, und es ist ein weiter Weg von dort bis zur Kultivierung. In Ecuador z. B. wächst die F. loxensis so, dass man es nur mit "im Morast" bezeichnen kann. In Bolivien wächst F. furfuraceae in einem Gebiet, in dem es fünf Monate nicht regnet, und sie hat geblüht. In Peru wächst F. apetala über der Baumgrenze sehr gut, obwohl es dort nachts Frost gibt. einmal sah ich sie sogar im Schnee wachsen. Andere Wildformen wurden neben Wasserfällen und Flüssen beobachtet, manche auf sehr steilen Berghängen, wo die Erde von wasserfallartigen Regenfällen, wie sie dort üblich sind, weggewaschen wird. Wieder andere wachsen zwischen üppiger Vegetation von Bäumen, Büschen und Farnen, oft als Kletterpflanze, 4 bis 5 m hoch, so dass die Blüten aussehen, als wären Sie ein Teil des Baumes oder Busches. Manchmal war es unmöglich den Stamm zu verfolgen.

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Die meisten Wildformen wachsen in Gegenden, die wir als Nebel- oder Gebirgswälder kennen. Wir können sie beiläufig in folgende Höhenstufen einteilen:

1000 - 2300 m: niedrige Andenwälder, niedrige Gebirge

2300 - 3500 m: Andenwälder, Mittelgebirge

3500 - 3900 m: hohe Andenwälder, Hochgebirge

über 3900 m: finden wir die offene Hochgebirgsvegetation, die Subaramo, Paramo und Superaramo.

Alle diese Gebiete können zwei- bis dreimal täglich oder auch den ganzen Tag lang in Neben gehüllt sein.

Diese Wolken sind mit Feuchtigkeit gesättigt, deshalb bevorzugen Pflanzen aus dieser Umgebung eher das Besprühen als das Gießen. Die Fuchsie wächst in allen diesen Höhen, und ein Punkt ist dabei in Betracht zu ziehen: Je höher sie wächst, desto mehr Kälte bekommt sie. Ich fand F. pilaloensis beschwerdefrei wachsen und blühend bei 10 °C in Ecuador. Ein anderer wichtiger Faktor ist, ob die Fuchsien auf den östlichen oder westlichen Abhängen der Anden wachsen. Nachdem ich alle diese Fakten betrachtet hatte, beschloss ich, die Wildformen soweit als möglich ihrem natürlichen Standort entsprechend zu ziehen.

Die meisten der Wildformen wollen nicht in Formen gezwängt werden, deshalb lasse ich meine ganz natürlich wachsen. Ich schneide sie nur zurück, wenn sie zu groß für den Platz, den ich habe, werden. Wenn sie wachsen, verlieren sie die unteren Blätter, das geschieht auch an ihrem natürlichen Standort. Ich ziehe Wildformen wegen ihrer schönen Blüten und nicht dafür, dass sie auf einer Ausstellung gut aussehen.

Wenn man Wildformen in Kultur zieht, ist einer der wichtigsten Faktoren der, ihnen ein kühles Wurzelbett zu geben. Ich sage das aus Erfahrung, und ich weiß, dass die Temperatur in den Anden während des Jahres nicht sehr stark wechselt. Ich verwende das billigste Substrat und Kies, beides von einem Baumarkt, weil es dort billiger ist.

Wie Sie wissen, ist die Gattung der Fuchsien in elf Sektionen eingeteilt. Ich werde jede Sektion separat betrachten, weil ich glaube, dass jede eine andere Behandlung braucht. Ich beginne mit den kleinsten:

Sektion Kierschlegeria: F. lycioides

F. lycioides wächst am Rande der Atacama-Wüste und ist auf einen schmalen Küstenstreifen in Zentralchile beschränkt, einer ziemlich lebensfeindlichen Umwelt mit nur mäßigem Winterregen und langen, trockenen Sommern. Ich verwende einen eher großen Topf, fülle das untere Drittel mit zerbrochenen Stücken von Polystreme (Styropor) und darauf gebe ich eine Mischung von 1 Teil Blumenerde, 1 Teil grobem Sand und 2 Teilen erbsengroßem Kies. Diese Teile vermische ich gut, damit sie ein gut wasserdurchlässiges Material für da Wachstum der Pflanzen abgeben. Gießen ist sehr selten notwendig, aber dann verwende ich eine schwache Nährlösung. Der Topf steht den ganzen Sommer über in der vollen Sonne, im Winter kommt er in den Raum und wächst. Diese Species braucht sehr viel frische Luft, weil es scheint, dass sie anfälliger für Botrytis ist als andere Species.

Stecklinge wurzeln leicht in einer Mischung von Torf und Sand bei 22 °C Bodenwärme.

Sektion Jimenezia: F. jimenezii

F. jimenezii wächst in feuchten immergrünen Regenwäldern von Panama und Costa Rica und kann bis zu 4 m hoch werden. Für diese Art verwende ich zwei Teile Blumenerde und ein Teil erbsengroßen Kies. Die Pflanze ist immer feucht zu halten und braucht schwache Düngung. Eine Wintertemperatur von 10 °C hält sie das ganze Jahr lang in Blüte. Stecklinge wurzeln leicht in Kokoskompost.

Sektion Pachyrrhiza: F. pachyrrhiza

F. pachyrrhiza kommt aus Zentralperu und wurde zwischen Steinen wachsend gefunden. Sie ist sehr schwierig. Ich verwende eine Mischung von 1 Teil Blumenerde, 1 Teil Torf und 2 Teilen erbsengroßem Kies. Wie der Name sagt, hat sie Knollen, und zuviel Wasser bringen diese zum Verfaulen. Sie ist auch sehr schwierig zu vermehren.

Sektion Procumbens: F. procumbens

F. procumbens kommt von der Nordinsel Neuseelands und wächst in sehr sandiger Erde am Rande der Gezeitenlinie. In ihrer ursprünglichen Umgebung ist sie sehr selten, aber in Massen in Kultur. Sie wächst in 2 Teilen Torf, 1 Teil erbsengroßem Kies und ohne Dünger. Im Glashaus neigt sie dazu, wenig zu blühen aber stark zu wachsen. Die Blätter werden dabei etwas größer, Die Stecklinge wurzeln sehr leicht.

Sektion Skinnera: F. excortica, F. perscandens, F. cyrtandroides, F. x colensoi

F. excortica, F. perscandens, F. x colensoi sind in Neuseeland beheimatet. Ich neige dazu, alle drei auf dieselbe Art zu kultivieren: 3 Teile Blumenerde, 1 Teil erbsengroßen Kies. Man hält sie immer feucht mit ein wenig Düngung, dann werden sie große Pflanzen.

F. excorticata wird groß wie ein Baum und hat in Schottland auch im Freien überwintert. Sie muss dafür eine ziemlich große Pflanze sein.

F. perscandens wächst wie sie will, das Zurückschneiden macht keinen Unterschied.

F. x colensoi ist nicht so stark wachsend wie die vorherigen.

F. excorticata blüht gut, die anderen beiden aber nicht.

F. cyrtandroides kann sehr schwierig sein, sie wächst in gleichen Teilen Blumenerde und Kies und blüht sehr selten. Stecklinge sind leicht zu bewurzeln. Am schwierigsten ist F. cyrtandroides.

Sektion Schufia: F. arborescens, F. paniculata

F. arborenscens kommt aus Mexiko, während F. paniculata fast überall in Zentralamerika in feuchten Pinien- und Eichenwäldern wächst. Ich behandle beide auf dieselbe Art: 3 Teile Blumenerde, 1 Teil erbsengroßer Kies und Dung vom Bauernhof. Sie werden in zwei Jahren große Pflanzen. Stecklinge wurzeln leicht. Diese Pflanzen können sehr stark zurückgeschnitten werden, besonders, wenn der Raum knapp ist.

Sektion Ellobium: F. splendens, F. fulgens

diese beiden Species kommen von Mexiko und Costa Rica. F. splendens wächst in 2 Teilen Blumenerde, 1 Teil erbsengroßem Kies und sie wird regelmäßig gedüngt.

Sie neigt dazu, sehr früh zu blühen, aber kürzer als die meisten anderen Species.

F. cordifolia (eine unsichere Form von F. Splendens) wird gleich behandelt.

F. fulgens und ihre Varianten sind ein wenig anders zu behandeln: 3 Teile Blumenerde, 1 Teil erbsengroßer Kies , Wenn sie gut gedüngt wird, belohnt sie die gute Pflege mit Massen von Blüten bis Ende Oktober. Stecklinge wurzeln leicht.

Sektion Quelusia: F. alpestris, F. brevilobis, F. campos-portoi, F. coccinea, F. glazioviana, F. hatschbachii, F. magellanica und F. regia

Alle diese Arten kommen von den Küstenbergen Brasiliens, mit Ausnahme von F. magellanica, die von der Südspitze Südamerikas kommt und in den meisten Formen winterhart ist. Wenn sie in Töpfen gezogen werden, soll man der Erde Kies beimischen. Das tut ihnen besonders gut. Im Garten frieren die oberirdischen Teile ganz ab. Alle wurzeln sehr leicht.

Sektion Hemsleyella: F. apetala, Fuchsien. chloroloba, F. garleppiana, F. inflata, F. insignis, F. juntasensis, F. nana, F. pilaloensis, F. tillettiana

Die Species dieser Sektion haben meistens Knollen, sie sind epiphytisch und haben keine Petalen. Sie blühen fast immer im blattlosen Zustand, aber ich habe auch gesehen , dass sie im tiefen Schatten Blätter und Blüten gleichzeitig hatten. Die Pflanzen sind im allgemeinen in der Natur sehr selten, stark von den Jahreszeiten abhängig und kommen in verhältnismäßig unzugänglichen Gebieten vor.

Man muss selbst versuchen, die Pflanzen dieser Sektion richtig zu versorgen, indem man ihren natürlichen Lebensweg nachahmt. Während der Regenzeit wachsen sie gut, und die Knollen lagern Kräfte ein. Diese Reserven brauchen die Pflanzen, um zu überleben, wenn der Regen aufhört. Während der Trockenzeit neigen sie dazu, ihre Blätter zu verlieren, dann produzieren sie mit Hilfe der in den Knollen gelagerten Kräfte die Blüten.

F. apetala kommt aus Südbolivien und Peru. Ich habe diese Art als Epiphyt in den Bäumen wachsen gesehen, aber auch an Felshängen und trockenen moosigen Böschungen an den Straßenseiten. Einmal sah ich sie zwischen Felsen im Schnee an der Straße nach Marcapata. Ich pflanze sie in gleiche Teile Torf (geschnitten in Stücke von 3 cm²) und Hydrolica. Ich verwende Hydrolica für alle Hemsleyellas, weil es leichter ist als Kies. Die Knolle liegt in ca. einem Drittel der Topftief und wird ca. 5 cm hoch mit diesem Material bedeckt.

Wen sie Blätter hat, braucht sie genügend Wasser mit einer schwachen flüssigen Düngung. Bis zur Blüte sprühe ich das Laub, während der Blüte nur die wachsenden Teile.

F. chloroloba kommt aus Bolivien und ist gleich zu behandeln wie F. apetala.

F. garleppiana kommt aus Bolivien, ich fand sie an einem steilen felsigen Abhang zwischen anderen Büschen und Bäumen. Sie erreichte eine Höhe von 3,5 m und wurde von anderen Gewächsen gestützt. Sie ist in einer Mischung von gleichen Teilen Blumenerde und erbsengroßem Kies gepflanzt und mit der gleichen Erdmischung wie F. apetala bedeckt. Sie muss sehr früh gestutzt werden.

F. inflata kommt aus Peru, wo sie jeder Zeit in der Natur gefunden wird. Sie wächst in sehr steinigem Grund, daher pflanze ich sie in einen Teil Blumenerde und zwei Teile erbsengroßen Kies, die Knolle umgebe ich mit größeren Kieseln. In der Wachstumszeit muss oft gegossen werden, weil das Substrat sehr wasserdurchlässig ist. Wenn F. inflantata blüht, ist sie die besonderen Schwierigkeiten wert.

F. insignis kommt aus Ecuador und ist für mich die schönste Art in der Sektion Hemsleyella. Ich fand sie auf einer sehr trockenen Straßenböschung zwischen Farnen und Gras. Gepflanzt wird sie in eine Mischung von 1 Teil Blumenerde und 1 Teil Kies, wobei die Knolle auf dem Kompost liegt und mit Torf bedeckt wird. In der Wachstumszeit ist sie gut mit einer schwachen Düngerlösung zu düngen, wenn sie blüht, soll sie komplett austrocknen.

F. juntasensis kommt aus Bolivien. Jede Pflanze, die ich in der Natur sah, wuchs zwischen Büschen und Bäumen bis zu 4 m Höhe. Sie hat sehr schwach entwickelte Knollen und ist nicht so empfindlich gegen Fäulnis wie andere Pflanzen dieser Sektion. Ich pflanze sie in 2 Teile Blumenerde und 1 Teil Kies, gieße sie gut in der Wachstumszeit und dünge mit einer schwachen Lösung.

F. nana kommt aus Bolivien. Ich fand sie in einem Gebiet ohne Büsche und Bäume an einem fast senkrechten Berghang.

Ich musste nach oben klettern und am Bauch liegen, um sie zu erreichen. Ich pflanze sie in 1 Teil Blumenerde, 1 Teil Kies und gieße wie oben. Sie hat kleine Blüten.

F. pilaloensis kommt aus Ecuador. Ich fand sie auf einer Böschung, es war sehr nebelig und feucht und die Temperatur betrug 10 °C. Ich sah bei dieser Pflanze keine Knollen, aber meine daheim hatte welche. Sie wächst in 2 Teilen Blumenerde und 1 Teil Kies, wird oft mit einer schwachen Düngerlösung gegossen und regelmäßig besprüht..

F. tillettiana kommt aus Venezuela. Ich behandle sie gleich wie F. pilaloensis

Nun noch ein paar Hinweise: Wie Sie sehen, ist Blumenerde sehr gut wasserdurchlässig. Dass muss so sein, weil die meisten Knollen bei zu viel Feuchtigkeit sehr leicht faulen, besonders, wenn sie zu lange feucht sind. Für die Düngung verwende ich ein Viertel der empfohlenen Menge bei jedem Gießen. Wenn sie verblüht sind, lasse ich die Knollen austrocknen. Ich glaube, dass muss so sein, damit sie reifen können. Bei der Vermehrung wurzeln die Stecklinge recht gut. Wenn sie bewurzelt sind, bilden sie zuerst eine Knolle, dann bekommen sie Faserwurzeln.

Erst wenn die Knolle gebildet ist, bekommen sie die erforderliche Erdmischung.

Die beste Wintertemperatur ist bei 10 °C, Sommertemperatur bei 25 °C. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, den Pflanzen einen kühlen Wurzelraum zu geben. Oft sagen die Leute, dass Wildformen viel Schatten brauchen. Auf meinen Reisen durch die Anden habe ich sie sehr selten im Schatten gefunden. Die Wurzeln wuchsen manchmal in schattigen Bereichen, aber die Blüten waren immer in der vollen Sonne, weil die Bestäuber sie dort leichter sehen. Wegen der Nähe zum Äquator ist in ihrer Heimat die Sonne fast genau über ihnen. Das sagt auch, dass sie 12 Stunden unaufhörlich Sonne bekommen.