Weiße Fliege

Und wieder weiße Fliege

Wolfgang Strücker

Ich freue mich über jeden Besuch, der sich unseren Fuchsiengarten ansieht. Lange dauert es dann nicht, bis die Frage gestellt wird: "Und wie ist es mit der Weißen Fliege?"

Seit einigen Jahren genieße ich diesen Augenblick, denn ich kann ehrlich antworten, dass dieser lästige Schädling bei uns nicht mehr anzutreffen ist. Ganz stolz bin ich, und das in mir aufsteigende Glücksgefühl erlebe ich sichtlich positiv. Den ungläubigen Gesichtsausdruck der Fuchsienfreunde auf diese Antwort kenne ich zur Genüge. Sie glauben mir einfach nicht.

Sobald ich mich dann abgewendet habe, und ihnen meinen Rücken zuwende, werden schnell mal die Zweige der Fuchsien angehoben, oder man klopft ein paar mal auf die Blätter, um die Tiere aufzuscheuchen. Keine Angst, nichts rührt sich. Dann möchte man wissen, wie oft und womit ich diesen Schädling bekämpfe. Meine Antwort lautet, ich habe noch nicht spritzen müssen.

Umfassend berichte ich dann, dass wir nicht immer von der Weißen Fliege verschont worden sind. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der wir in Unkenntnis der Lebensbedingungen dieses Insektes selbst für eine massenhafte Verbreitung gesorgt haben.

Die Weiße Fliege hat sich erst in den letzten 10 –20 Jahren sehr stark ausgebreitet. Ältere Gärtner berichten, dass dieses Insekt früher gar nicht als Schädling aufgetreten ist. Als ideale Brutstätte dient der Weißen Fliege gestaute, trockene und warme Luft an windstillen Orten und vor sonnenabstrahlenden Südwänden. Wer also seine Pflanzen unter Glas, Folie, Plexiglas, Kunststofftafeln usw. an windgeschützter Stelle heranzieht, was heute sehr oft der Fall ist, sollte sich auch darüber im klaren sein, dass er gleichzeitig günstigste Bedingungen für die Vermehrung der Weißen Fliege schafft. Bevorzugte Wirtspflanzen sind Fuchsien, Lantanen, Tomaten, Gurken, Paprika, Franzosenkraut, Vogelmiere u. v. a. m..

Jeder Besitzer eines Kleingewächshauses weiß, dass die Heizung des Hauses im Winter "nur" eine Kostenfrage ist,. Dagegen ist die Kühlung im Sommer eine Kunst, die keiner vollbringt. Es hilft weder lüften noch schattieren. Da ich es bei der Anzucht meiner Fuchsien auch einsehen musste, steht mein Kleingewächshaus, bis auf einige Kakteen, spätestens ab Anfang Mai leer. Ich habe dort früher an Fuchsien und Tomaten Schwärme weißer Fliegen gezüchtet, die mit Spritzungen nicht beseitigt werden konnten. Die Schädlinge verbreiteten sich von dort über den ganzen Garten. Selbst im Winter saß der Schädling an den Blättern des Grünkohls.

Trotz der Erfahrungen, die ich mit der Weißen Fliege gemacht habe, habe ich in den ersten Juni-Tagen dieses Jahres wieder Bekanntschaft mit den anhänglichen Tierchen machen müssen. Schlimm, was ich da entdecken musste – wir haben wieder Weiße Fliege. Am Rande des Fuchsienbeetes zwischen vielen Fuchsien und unter vielen darüber hängenden Fuchsienampeln wächst eine Akelei voller Weißer Fliege. Wohlgemerkt, nur an der Akelei sitzen die Biester. An allen Fuchsien daneben und darüber ist nichts zu entdecken.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Oder weiß der Fachmann Rat?

Wolfgang Strücker