Triphyllas



Unter den vielleicht 15'000 Fuchsien-Hybriden, die bis jetzt entstanden sind, finden wir eine Gruppe von ca. 200 Fuchsien, die wir zur Gruppe der Triphyllas zählen. Es sind dies Hybriden, bei denen in der Abstammungskette F. triphylla auftritt.

f.triphylla
F. triphylla

In dieser Gruppe der Triphyllas herrscht eine gewisse Verwirrung. Man kann die Triphylla-Hybriden aufteilen in zwei Kategorien. Da sind einmal die «echten» Triphyllas. Sie haben als typisches Erkennungszeichen die büschelweise Anordnung der Blüten an den Triebspitzen. Die Blüten haben einen langen, schmalen Tubus, kurze Sepalen und Petalen und sind typischerweise orange-rot. Die Blätter sind samtig und olivgrün bis bronzegrün, die Blattnerven sind oft purpurrot gefärbt. Typische Vertreter dieser Gruppe sind 'Thalia', 'Gartenmeister Bonstedt' und 'Mary'. Bei vielen sind diese Fuchsien auch als Friedhofs-Fuchsien bekannt, da sie oft bei Grabbepflanzungen eingesetzt werden.

Mary
Mary

Gartenmeister Bonstedt
Gartenmeister Bonstedt

Der zweiten Gruppe bei den Triphylla-Hybriden fehlen zum Teil diese typischen Merkmale. Die Blüten sind nicht mehr büschelweise angeordnet, sondern achselständig, der Tubus kann verdickt sein, die Sepalen und Petalen grösser, die Blätter verlieren den Bronzeton. Ein früher Vertreter dieser Gruppe ist 'Leverkusen'. Dann gibt es eine Grauzone, wo sich die Merkmale verwischen, da gibt es dann endständige und achselständige Blüten gemischt.

Leverkusen
Leverkusen

Es gibt weiter Triphylla-Hybriden, denen sieht man nicht mehr offensichtlich an, dass sie Triphyllas sind. So ist z.B. 'Small Pipes' von den Eltern her (F. paniculata x F. triphylla) wohl eine Triphylla, vom Aussehen her ist sie es aber nicht, da sie viel mehr der «Fliederfuchsie» F. paniculata gleicht.

Small Pipes
Small Pipes

Zu weiterer Verwirrung tragen nun die «Triphylla-Ähnlichen» bei. Dies sind keine Triphylla-Hybriden, sondern die haben nur Merkmale, die an Triphyllas erinnern. Weil die echten Triphyllas unverkennbare typische Merkmale haben, benützt man diese auch zum Beschreiben von anderen Fuchsien-Hybriden. So ist 'Gras­mere' (F. cordifolia x F. lycioides) keine Triphylla-Hybride, hat aber einen Tubus vom Triphylla-Typ. Nebst vielen weiteren hat z.B. 'Highland Pipes' (F. magdalenae x F. excorticata) Blüten vom Triphylla-Typ.

Zurück nun zu den echten Triphylla-Hybriden. Der Wuchs der meisten Triphyllas ist aufrecht, es gibt aber auch Hänger, wie z.B. 'Mantilla', 'Trumpeter' oder 'Pangea'. Die meisten sind sehr blühfreudig und erfreuen uns die ganze Saison durch mit einem permanenten Blütenflor. Die vor­herrschende Blütenfarbe ist rot und orange, es gibt aber auch solche, deren Farbe rosa, lachs, lila, aubergine, purpur oder sogar weiss ist.

Tourtonne
Tourtonne

Allgemein wird den Triphyllas eine gute Sonnenverträglichkeit attestiert, ja sie brauchen gar viel Sonne, damit sie sich richtig entwickeln können. Hingegen sind sie alle auch sehr frostscheu. Die Überwinterung geschieht an einem hellen Standort zwischen 8-12°C. Triphyllas eignen sich nicht für die Überwinterung in der Grube. Der Rückschnitt muss vorsichtig gehandhabt werden, ältere kräftige Pflanzen vertragen einen Rückschnitt um einen Drittel, bei jüngeren entfernt man nur die Blütenrispen. Auch das Pinzieren muss zurückhaltend ausgeführt werden. Die endständig blühenden Sorten brauchen anschliessend bis zu 12 Wochen, bis sie blühen. Es ist daher ratsam, nur einen Teil der Triebe zu pinzieren. Die nicht pinzierten blühen bald und lassen den pinzierten Zeit für den Austrieb. Bei dieser Gruppe von Fuchsien findet man häufig auch eine Tendenz zur Verkahlung von unten her, die Blätter werden gelb und fallen ab.

Die Züchtungsgeschichte der Triphylla-Hybriden beginnt um 1900, schwerpunktmässig in Deutschland. Die ersten Triphylla-Hybriden sind:

'Eros' (Lemoine-F-1878), 'Rubin' (Vieweg-D-1893), 'Mary' (Bonstedt-D-1894), 'Superba' (Veitch-GB-1895).

Eine sehr schöne und bekannte Triphylla ist 'Andenken an Heinrich Henkel' von Berger/Rehnelt-D-1897. Zu dieser Fuchsie gibt es folgende Geschichte: F. triphylla soll 1895 in deutschen botanischen Gärten eingeführt worden sein. Alwin Berger vom Botanischen Garten Greifswald machte damit 1896 verschiedene Kreuzungen. Reife Früchte übergab er an F. Rehnelt vom Botanischen Garten in Giesen. Es gab eine Reihe vielversprechender Sämlinge, auf die dann 1898 ein Herr Henkel aus Darmstadt aufmerksam wurde. Er kaufte alle und brachte sie dann unter dem Namen 'Andenken an Heinrich Henkel' auf den Markt. Anderen Quellen gemäss sollen die Eltern F. corymbiflora x 'Magnifica' sein.

Elfriede Ott
Elfriede Ott

Eine wichtige Rolle übernahm nun Carl Bonstedt aus Deutschland. Er begann mit F. triphylla zu arbeiten. Dabei kreuzte er mit F. fulgens und F. boliviana. So entstanden zwischen 1904 und 1906 so bekannte Sorten wie 'Koralle', 'Thalia', 'Gartenmeister Bonstedt' und 'Traud­chen Bonstedt'. Dabei darf seine 'Thalia' nicht mit der 'Thalia' von Turner-GB-1855 verwechselt werden, die keine Triphylla ist, sondern ein Sämling von 'Sidonia' (Smith-1851-GB, einem 'Venus Victrix'-Sämling). 1912 kam Sauer-D mit 'Obergärtner Koch'. Eine wichtige Rolle spielt 'Leverkusen' von Hartnauer-D-1923. Es ist dies ein Sämling von 'Andenken an Heinrich Henkel' und weicht als erste deutlich vom bekannten Bild der Triphyllas ab. Eine ganze Weile geschah nur wenig, dann wird es etwas internationaler. In den 40er-Jahren kam Reiter-USA mit 'Trumpeter' (1946) und 'Mantilla' (1948), 1964 erscheint 'Golden Arrow' von Goulding-GB, 1966 kommt Raiser-GB mit 'Billy Green' und 1968 van Suchtelen-NL mit 'Tourtonne'. 'Stella Ann' von Baker/Dunnet erscheint 1974 und Nutzinger-A bringt 1976 'Elfriede Ott'. Nun begannen so renommierte Züchter wie Wright, Goulding, Bielby (GB), Bögemann (D) und de Graaff (NL) mit dem Einkreuzen von neuen Species wie F. denticulata, F. procumbens, F. excorticata. So entstanden neue Formen und Farben wie bei 'Whiteknigths Ruby', 'Maori Pipes', 'Hokusai'. Mit 'Our Ted' brachte Goulding 1987 erstmals eine weisse Triphylla auf den Markt. Sie gilt allerdings nicht gerade als pflegeleicht. Die Ehre, die erste weisse Triphylla gezüchtet zu haben, gilt aber Trude Reiman aus Holland. Ihr gelang das Kunststück 1983 mit 'Challenge'. Mit Waldenmaier, van den Berg und van der Post aus den Niederlanden, Gaucher und Massé aus Frankreich und Michiels aus Belgien sind in neuerer Zeit weitere Züchter mit Triphylla-Hybriden auf den Markt gekommen. Mit 'Firecracker' von Riddings-GB-1990 ist nun auch eine buntblätterige Sorte auf dem Markt.

Traudchen Bonstedt
Firecracker

Ich wünsche Ihnen viel Freude im Umgang mit den blühfreudigen, sonnen­hungrigen Triphyllas, seien es nun echte Triphylla-Hybriden oder nur solche vom Triphylla-Typ.

Hans Eggenberger

Quellen:
Les Fuchsias Hybrides de F. triphylla,
B. Gaucher, SNHF Eté 98

Triphyllas - What are they?, Elsi Syndor, Fuchsia Fan 5/97

Fuchsia Triphylla Hybriden, D. van Delen, Fuchsiana Dez. 79

Growing and Showing Fuchsia triphylla hybrids, P. Heavens

The Checklist of Species, Hybrids and Cultivars of the Genus Fuchsia, L. Boullemier

Traudchen Bonstedt
Traudchen Bonstedt