Nützlinge gegen Blattläuse und Dickmaulrüssler


Die folgenden beiden Artikel sind dem Nützlings-Newsletter 7/2004 von www.re-natur.de entnommen.

 

Belichtung der Offenen Zucht Stephanie Horstmann, Pflanzenschutzamt Hamburg

Wird bei der biologischen Blattlausbekämpfung mit dem Verfahren der Offenen Zucht der Gallmücke Aphidoletes aphidimyza gearbeitet, muss bei abnehmender Tageslänge eine Zusatzbeleuchtung über den entsprechenden Trägerpflanzen (z. B. Getreide) installiert werden. Die Weibchen der Gallmücke gehen ab einer Tageslänge von unter 14 Stunden in Diapause, d. h. dass die Vermehrung und damit die Blattlausbekämpfung eingestellt wird. Sinnvoll ist eine Tagverlängerung ab Ende August auf 16 Stunden. Lampen ab einer Leistung von 60 Watt sind geeignet.

Durch diese Maßnahme sind die Gallmücken bis in den Herbst hinein aktiv. Auch im zeitigen Frühjahr sollte die Offene Zucht belichtet werden, damit die Gallmücken schon vor Erreichen der kritischen Tageslänge aktiv werden.

 

Dickmaulrüssler-Larven lassen sich jetzt mit Nematoden biologisch bekämpfen Dr. Helmut Haardt , www.re-natur.de

Der Gefurchte Dickmaulrüssler Otiorhynchus sulcatus hat sich zu einem bedeutenden Schädling in Baumschulkulturen wie Rhododendron, Azaleen, Erika, Taxus, Efeu, Cotoneaster u.a. entwickelt, kommt aber auch zunehmend in Hausgärten und Pflanzcontainern vor.

Der grau-braun gefärbte zur Familie der Rüsselkäfer zählende nachtaktive Käfer ist ca. 1cm groß. Seine Flügeldecken sind verwachsen, daher kann er sich nur laufend fortbewegen und ist recht standorttreu. Das typische Schadbild sind buchtenförmige Fraßstellen an den Blatträndern bzw. Rindenfraß an jungen Eibentrieben. Diese Schäden sind zwar häßlich aber für die Pflanze nicht lebensbedrohend. Anders bei den Larven: Sie leben im Boden und fressen an den Wurzeln der o.g. Pflanzen. Bei starkem Befall kommt es zum Absterben der Pflanze.

Da die Larven chemisch kaum zu bekämpfen sind und mit zunehmender Ausweitung von Wasserschutzgebieten der Einsatz dieser Pestizide mehr und mehr verboten ist, wurde bereits Mitte der achtziger Jahre nach anderen Bekämpfungsmöglichkeiten gesucht. Die Wissenschaftler wurden fündig: Biologische Schädlingsbekämpfung mit nützlichen Fadenwürmern, Nematoden der Art Heterorhabditis bacteriophora heißt die Zukunft. Sofort wurde eine inzwischen europaweit tätige Arbeitsgruppe gegründet, deren Aufgabe darin besteht, diesen Nützling in der Praxis zu prüfen und nach Möglichkeiten für eine kostengünstige Vermehrungstechnik zu suchen. Es zeigte sich, daß diese nur 0,5 mm großen Nematoden im Praxisversuch einen Wirkungsgrad von nahe 100% aufweisen. Inzwischen erfreuen sich diese Nützlinge großer Beliebtheit, zumal mit diesem biologischen und umweltfreundlichen `Mittel´ höhere Wirkungsgrade als mit den umstrittenen Pestiziden erreicht werden. Produziert wird auf künstlicher Diät in riesigen computergesteuerten Fermentern.

Zu Bedenken ist, dass die Nematoden nur ausgebracht werden sollten, wenn erstens sich der Schädling im Larvenstadium befindet und zweitens die Bodentemperaturen mindestens 10°C betragen. Daraus ergeben sich für den Freilandeinsatz zwei Ausbringungszeiten: im Frühjahr, zwischen Ende April und Ende Mai und im Herbst zwischen Mitte August und Ende September. Beim erstmaligen Einsatz sollten beide Ausbringungszeiten genutzt werden. Danach reicht jährlich eine Ausbringung, am besten im Herbst.

Die Anwendung erfolgt einfach mit der Gießkanne bzw. mit Gießwagen oder Feldspritze, auch eine Tauchbehandlung kann vorgenommen werden.