Kreuzen


Quellen: alte Fuchsiana-Hefte, Regionalausgaben und ausländische Blätter, sowie unterschiedliche Buchausgaben

Fuchsiana Februar 2001, Seite 30

Jan van Hulten / deutsche Fassung: B.J.Wilpshaar / Hellendoorn NL

1 Goldene Regeln für Anfänger in der Fuchsienveredlung

Man lese möglichst viel über das Thema.

Zum Sammeln von Erfahrungen teste man an Hand der erworbenen Kenntnisse die eigenen Möglichkeiten zum Säen und Aufziehen von jungen Pflanzen. Man verwende dazu wertlosen Samen von gefundenen oder wahllos gepflückten Beeren.

SOLCHE SÄMLINGE SIND NACH DEM TEST AUSNAHMSLOS ZU VERNICHTEN!

Man überlege, was man züchten möchte. Dabei sollten Marktlücken berücksichtigt werden.

Nur zielgerichtetes Kreuzen bietet angemessene Aussichten auf Erfolg. Auf Grund aller Erwägungen und Überlegungen sollte ein Plan für die kommende Saison entworfen werden.

Man bestimme, welche Pflanzen zum angestrebten Ziel gekreuzt werden sollen. Eine etwaige Anschaffung von Mutterpflanzen ist ins Auge zu fassen. Pollen kann man sich bei den “Nachbarn” besorgen. Pollen von winterblühenden Sorten kann – in luftdichter Verpackung – an der noch kompletten Blume in der Gefriertruhe aufbewahrt werden.

Es gilt, sorgfältig vorzugehen, damit Selbstbestäubung oder andersweitige unerwünschte Bestäubung möglichst ausgeschlossen wird. Zu jeder Kreuzung wird mehrmals eine Bestäubung vorgenommen, am besten zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen. Mitunter sind ‘Eltern’ nur scheinbar steril, weil die Bestäubung nicht zur rechten Zeit durchgeführt wurde.

Auch die vorherrschende Temperatur und sogar der Standort oder die Kondition der Pflanze können das Ergebnis stark beeinflussen. Im allgemeinen wird der Spätsommer für die beste Zeit zum Kreuzen gehalten.

Kreuzungen sind genau zu kennzeichnen und eine genau geführte ‘Buchführung’ ist unerlässlich. Man erwähne nie den Namen einer Vaterpflanze, wenn keine zweifelsfreie Sicherheit vorliegt.

Die Zeit zum Säen ist so zu wählen, dass gute Aussichten auf eine Sämlingsblüte noch in demselben Jahr bestehen.

Mit gekeimten Samen und Jungpflanzen ist mit größter Sorgfalt umzugehen. Die Mittel gegen Pilzbefall und Blattdüngungsmittel können Wunder wirken.

Ihre älteren Sämlinge sind ‘mit harter Hand’ zu behandeln. Alles, was nicht normal aufwächst, wird sich dann eher selbst aussondern.

Pflanzen, die mit irgendwelchen Zweifeln verbunden werden können, sollten restlos vernichtet und beseitigt werden.

Das Wenige, das übrigbleibt, sollte von mehreren Fuchsienkennern begutachtet werden.

 

2  Hybride

F1 ist die erste Generation nach einer Kreuzung von 2 Elternpflanzen, deren Eigenschaften bekannt sind. Die F2-Hybride ist die zweite Generation von Nachkommen, die von zwei F1-Hybriden stammen.

3  Allgemein

Kreuzen oder Hybridisieren findet statt, um neue Farbkombinationen und neue Formen mit jeweils guten Eigenschaften zu gewinnen.

Wenn 2 Pflanzen mit einander gekreuzt werden, gewinnt man daraus ein Kreuzungsprodukt mit Kennzeichen von beiden Eltern. Bei der Befruchtung verschmelzen Pollenpartikeln mit Eizellen zu neuen Zellen, deren Kerne wieder Chromosome enthalten.

Die Chromosome sind die Träger der erblichen Eigenschaften. Sie gruppieren sich immer nach einem bestimmten Muster, aus dem man mehr oder weniger das Kreuzungsresultat schließen kann.

Eine normale Zelle enthält 2 Paare von je 11 Chromosomen (2 X 11 = 22). Diese werden als “diploid” bezeichnet. Andere Zellkerne enthalten 3 Paare von je 11 Chromosomen und sind als “triploid” zu bezeichnen, 4 Paare als “tetraploid”, 5 Paare als “pentaploid”, 6 Paare als “hexaploid”, 7 Paare als “heptaploid”, 8 Paare als “oktoploid”, usw. In der Gruppe “oktoploid” kommen mitunter sehr große doppelte Hybriden vor, wie ‘Granada’ und ‘Quasar’.

Die beste Zeit zum Kreuzen ist August oder September, obwohl es bei einer Mindesttemperatur von 13° auch im Winter möglich ist. Die zu kreuzenden Pflanzen soll man absondern.

Zum Kreuzen nimmt man jeweils offene oder halboffene Blüten, oder solche, die eben dabei sind, sich zu öffnen. Letztere könnte man mit einem spitzen Gegenstand vorsichtig weiter öffnen. Mit einer Scherenspitze sind alle Staubfäden restlos zu entfernen, ohne den Stempel zu beschädigen.

Ein paar Blumen an der Pflanze sollte man aber lieber unkastriert lassen. Sobald der Pollen reif ist, kann dieser von der (Vater-) Blume entfernt werden um ihn anschließend vorsichtig auf den Stempel der anderen (Mutter-) Blume zu übertragen. Man überbringt also den Pollen von Pflanze A auf den Stempel von Pflanze B, aber auch umgekehrt, den Pollen von Pflanze B auf den Stempel von Pflanze A. Die so befruchteten Blumen sind abzuschirmen mit z.B. kleinen Taschen aus Nesseltuch oder Folie. Sobald die Blume verblüht ist und die Frucht zu wachsen beginnt, werden die Taschen entfernt um Austrocknung der Früchte vorzubeugen. Ist der Samen reif, dann werden die Früchte von der Pflanze entfernt und auf ein Blatt weißes Löschpapier gelegt. Unter Benutzung einer guten Lupe schneidet man die Früchte mit einem scharfen Messer vorsichtig auf, um die Flüssigkeit wegzunehmen ohne die Samen zu beschädigen. Manchmal gibt es 4 bis 11 Samenkörner in einer Fruchtbeere, aber nicht selten auch nur eins! Die Samen werden auf das Löschblatt gelegt, um sie trocknen zu lassen. Sind die Samenkörner trocken, dann werden diese in einer luftdichten Schachtel aufbewahrt. Die Keimkraft des Samens bleibt ungefähr 9 Monate erhalten. Die beste Zeit zum Säen ist der Frühling.

4  Säen

In einen nicht zu großen Kasten aus Kunststoff füllt man sterile, vorher befeuchtete Topferde. Darüber streut man die Samen aus und drückt diese leicht an.

Es ist auch möglich, die Samen mit ‘Vermiculite’ zu bedecken. Über den Kasten wird eine Klarsichtkappe gestellt. Die beste Bodentemperatur ist 21° bis 23° C. Die Keimzeit beträgt 8 bis 10 Tage. Fuchsien sind zweikeimblättrig; darum sind die ersten Blätter keine echten. Man warte mit der Umpflanzung bis 2 oder 3 Blattpaare entwickelt sind (nach etwa 6 Wochen). Das Kreuzen von Fuchsien kann logischerweise nur bei blühenden Pflanzen stattfinden.

Den Pollenlieferanten bezeichnet man als ‘Vater’. Beim Reifen der Blüten werden Hunderte (mitunter gar Tausende) Pollenpartikel freigesetzt. Insekten sollen gewehrt werden, damit keine Vermischung entstehen kann. Bevor sich die Blüten öffnen, wird eine leichte, lichtdurchlässige Hülle über die Blüte geschoben und am Stängel festgebunden. Manche Teebeutelhüllen eignen sich sehr gut dazu. Wenn der Pollen gebraucht wird, dann kann die Hülle kurz gelöst werden. Auch bei der Mutterpflanze treffen wir Vorbereitungen: Auch hier wird ein Beutel um die Blüte gebunden.

Sobald sich die Blüte öffnet, werden zur Vorbeugung von Selbstbestäubung die Staubfäden weggenommen.

Wenn der Stempel der Mutterpflanze klebrig ist, kann die Bestäubung fortgesetzt werden. Mit einer Bürste minimaler Größe (z.B. mit Ohrreinigern) kann man den Pollen von der Vaterpflanze aufnehmen und anschließend auf den Stempel der Mutterpflanze übertragen. Selbstverständlich ist für eine andersartige Bestäubung eine andere Bürste zu nehmen. Kurz gefasst:

Beutel an Vaterpflanze öffnen

Pollen antupfen

Beutel schließen

Pollen auf Stempel übertragen

kleinen Zylinder aus Alupapier über den Stempel anbringen und vorsichtig auf den Stiel festschieben.

Die zutreffenden Angaben genauestens notieren und die bestäubte Blüte mit einer Nummer  versehen.

5 Hybride Samen

Diese Samen werden mittels Kreuzbestäubung produziert. Vorgesehen ist, durch kontrolliertes Vereinigen von positiven Eigenschaften verschiedener Pflanzen Samen zu gewinnen, die stabilere Produkte gewährleisten und Krankheiten und Plagen besser aushalten.

In Belgien ist es Wissenschaftlern gelungen, durch genetische Modifizierung ein Gen in die Pflanze zu schleusen, der die Pollenproduktion stilllegt.

6  Säen

reife Beere pflücken; Beere öffnen und die angeschwollenen Samen herausnehmen.

in einer Klarsichtschachtel auf vorher bewässerte Topferde legen und leicht andrücken

bei 15° bis 20° C keimen die Samen nach etwa zehn Tagen

bis zu zwei (echten) Blattpaaren auswachsen lassen und dann umpflanzen.

7   Bestäuben

Bestäuben ist die Übertragung von Pollen einer Blüte auf den Stempel einer anderen Blüte. Bei den Fuchsien findet solche Bestäubung normalerweise auf natürlichste Weise durch Insekten statt. Vor allem Bienen und bestimmte Fliegen übertragen den Pollen von einer Blüte auf die andere.

Ein Züchter wird bei der Bestäubung zielbewusst eingreifen, indem er den Weg über die Insekten verhindert und selber die Pollenübertragung auf die Mutterpflanze vornimmt.

8   Pikieren

Sobald die Keimpflanzen sich zu verdrängen drohen und Anfassen vertragen, können sie pikiert werden. Zu einer solchen erstmaligen Umpflanzung benutzt man am besten die gleiche Topferde, worin auch gesät wurde. Jede Pflanze soll gesondert behandelt werden und in einem kleinen Topf weiterwachsen. Zwecks solcher Pikierung werden eigens dazu hergestellte Pikierpinzetten gehandelt. Ein kleines, zugespitztes Holzstück tut es aber auch; man bringe in die Spitze einen solchen Einschnitt an, dass sich damit die Keimpflanze vorsichtig aufnehmen lässt.

Ein (anderes) Pikierholz benutzt man zum Bohren des Erdlochs im Topf, der befeuchtete Erde enthalten muss. Darum ist die Topferde einige Stunden vorher zu besprühen. Man nehme kleine Bündel Keimpflanzen aus dem Säkasten, indem man mit z.B. einem Spachtel den Boden auflockert. Danach kann man die Einzelpflanzen vorsichtig herauswühlen - ohne die Wurzeln abzubrechen – und in die neuen Töpfe einpflanzen. Nach der Umpflanzung ein wenig besprühen und an die Stelle zurücksetzen, wo sie gestanden haben. Wenn die Jungpflanzen genügend bewurzelt sind, können sie in einen größeren Topf mit normaler Fuchsienerde umgepflanzt werden.

Jan van Hulten / deutsche Fassung: B.J.Wilpshaar / Hellendoorn NL

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