Düngung leicht gemacht?

Bei Lektüre der letzten Fuchsienkurier-Beiträge zu den Themen Düngung und Erden erhielt ich den Eindruck, dass viele Fuchsienfreunde diese Frage mit Pi x Daumen handhaben. Da die Pflanzenernährung ganze Fachbibliotheken füllt, kann mein Beitrag nur die wichtigsten Punkte erhellen.

Algemeines zur Pflanzenernährung

Die Hauptnährstoffe:

1. Stickstoff lat. Nitrogenium (chem. Zeichen N)
als Dünger in der Form NO3 und NH4, ist wichtiger Baustoff für Chlorophyll, Enzyme und Eiweiß. N-Mangel führt zu Chlorosen und verminderter Wuchsleistung. Überangebot zu weichem Pflanzengewebe, späterer Blüte und Anfälligkeit gegen Krankheiten. N unterliegt den größten Schwankungen in Kultursubstraten. In einer mäßig gedüngten Blumenerde (P-Erde) soll der Gehalt 100-200 mg/l betragen.
Das sind 100-200 g Rein N je m³ Erde.

2. Stickstoffformen

a) Salpeter = Nitrat = NO3, z.B. Kalksalpeter mit 16 % NO3, leicht wasserlöslich, schnelle Wirkung auch bei niedrigen Temperaturen. Wirkt auf den ph-Wert der Erden erhöhend. Bei Verwendung von Regenwasser und Erden mit ph-Werten unter 6 zu empfehlen.

b) Ammonium NH4 und Ammoniak NH3 wirken langsamer, werden nicht so stark ausgewaschen und bei hartem Gießwasser und hohen ph-Werten über 6,5 zu empfehlen, z. B. schwefelsaures Ammoniak mit 21 % NH3. In vielen Stickstoff- und Mehrnährstoffdüngern sind beide Formen in sehr unterschiedlichen Konzentrationen enthalten, um den ph-Wert positiv oder negativ zu beeinflussen, z. B.Hakaphos blau 30 % NO3 und 70 % NH4.

Ph-Wert senkend (sauer reagierend), z.B. Ammonsulfatsalpeter, Hakaphos blau und rot; Flory3 und 1 spezial; Poly Crescal, Alkrysal, Manna blau.

Ph-Wert erhöhend (alkalisch reagierend), z. B. Hakaphos spezial; Flory 9 und 4.

Ph-Wert neutral, z. B. Kalkammonsalpeter; Hakaphos plus.

3. Phosphor, lat. Phosphorum (chem.Zeichen P) als Düngerform P2O5 ist wichtiger Energieträger und bei fast allen Stoffwechselvorgängen (Photosynthese, Atmung) notwendig. P2O5 wird, verglichen mit N und K, nur in kleinen Mengen zum Pflanzenaufbau benötigt. Da fast keine Auswaschung im Boden erfolgt, kommt es schnell zu hohen Anreicherungen im Boden, besonders in intensiv genutzten Gartenböden. Unterversorgung ist sehr selten, eigentlich nur bei reinen Torfblumenerden. Eine Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums bei P-Überversorgung findet selten statt. Bei extrem hohen Werten können Spurenelemente festgelegt werden. P2O5 wird häufig in wasserlöslicher Form angewandt, im Boden wird es aber in kürzester Zeit in wasserunlöslicher (zitratlöslich) Form festgelegt. Eine Lösung zurück in pflanzenverfügbarer Form erfolgt durch Säureausscheidungen der Pflanzenwurzeln. Der P2O5 Gehalt von über 10 % in vielen Mehrnährstoffdüngern ist nach neuen Untersuchungsergebnissen viel zu hoch. Es genügen Gehalte von 5-10 %. Darum ist bei der Herstellung von Kompost-Torfgemischen keine oder nur eine geringe P2O5 Gabe erforderlich.

4. Kali, lat. Kalium (chem. Zeichen K) als Dünger die Form K2O. Kalium steuert viele Funktionen in der Pflanze, z. B. den Wasserhaushalt. Kalimangel führt zu ungenügender Wasseraufnahme, dadurch zu Welkerscheinungen, auch bei genügender Bodenfeuchte. Eine Unterversorgung führt auch zu mangelnder Stabilität des Pflanzengewebes. Fuchsien haben einen hohen Kalibedarf, insbesondere während der Blütezeit, da durch die abfallenden Blüten ständig Kaliverluste auftreten. Kennzeichen für diesen Mangel sind Vergilbungen an den Blattspitzen und Blatträndern. Ein geringer bis mäßiger Überschuss wirkt sich nicht negativ aus. In einer mäßig gedüngten Blumenerde (P-Erde) sollten 200-300 mg/l = 200-300 rein K2 O je m³ Erde sein. Der gebräuchlichste Kalidünger für uns Hobbygärtner ist Patentkali mit einem Gehalt von 28 % K2O und 8 % Magnesium als MgO.

5. Ph-Wert
Stellt, vereinfacht ausgedrückt, den Säuregrad unserer Erden und Wasser dar. Der optimale ph-Bereich ist neben der Pflanzenart auch von der Bodenart abhängig. So liegt der optimale Wert für die gleiche Pflanze in humosen Erden tiefer als in mineralischen Erden. Für die meisten Zierpflanzen liegt dieser Wert zwischen ph 5,5 und 6,5, auch für Fuchsien. Fertigerden sollten auf diesen Wert eingestellt sein.
Der ph-Wert beeinflusst die Struktur des Bodens und die Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe, insbesondere der Spurennährstoffe. Oberhalb ph 6,5 nimmt die Verfügbarkeit in humosen Erden wie Kompost- und Torfsubstraten für Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Bor stark ab. Bei zu niedrigen ph-Werten nimmt die Verfügbarkeit zu und kann zu Pflanzenschäden führen.
Ph-Wert -Veränderungen während der Kultur hängen vom Gießwasser und von verwendeten Düngern ab. Bei kalkhaltigem Gießwasser Erden mit niedrigem ph-Wert bevorzugen und sauer oder neutral wirkende Stickstoffdünger verwenden. Bei Verwendung von Regenwasser oder weichem Wasser alkalisch oder neutral wirkende Stickstoffdünger einsetzen.

Nach soviel Theorie einige Tipps für Fuchsienliebhaber,
die noch Probleme mit ihren Fuchsien haben. Fuchsienliebhaber, die immer prächtige Pflanzen haben, sollten weiterblättern.

Blaukorn: Preisgünstiger Volldünger, nicht chloridfrei. Viele Fuchsienbesitzer düngen ihre größeren Pflanzen, indem sie den Dünger auf die Erde streuen und eingießen. Nicht mehr als 1 gr/l Erde (flacher Esslöffel voll auf 10 Liter Erde.)
Blattdüngung: Nach Gebrauchsanweisung Flüssigdünger auf das Blattwerk spritzen. Gut bei Stecklingen und Pflanzen mit schwachem Wurzelwerk.

Flüssigdünger: Die Zeitschrift Öko-Test, Ausgabe Nr. 5, Mai 2004 untersuchte 39 verschiedene Dünger. Ergebnis 17 davon mangelhaft und ungeeignet. Viele enthielten einen hohen Chloridgehalt. Anderen fehlten Spurenelemente. Auch das viel benutzte Wuxal Super bekam nur ein ausreichend, da es kein Magnesium enthält. Fazit: Flüssigdünger sind zu teuer. Benutzen Sie chloridfreie Nährsalze, dann wissen Sie, was in dem Dünger enthalten ist. Diese Profidünger gibt es häufig nur in 25 Kilo Gebinden. Aber einige Firmen liefern auch kleinere Gebinde, z. B. Compo Hakaphos Nährsalz:14/7/14/2 , 1,2 kg und 5 kg; Celaflor, Scotts Universaldünger 250 g, 500g, 1000 g; Euflor Blühwunder: 15/10/15/2, 1000 g.

Langzeitdünger: Immer populärer werden diese Dünger, dabei sollte man ihre Schwächen kennen. Die angegebene Nährstoffabgabe ist sehr stark abhängig von der Bodentemperatur nämlich um 20 °C. Liegt diese wesentlich darunter, und das geschieht häufig in den Monaten Mai/Juni (die so genannte Schafskälte Mitte Juni), geben Langzeitdünger nicht genug Nährstoffe ab. Die jungen Triebe hungern. Abhilfe können Sie dann nur mit oben genannten Nährsalzen schaffen und während der Kälteperiode flüssig düngen. Umgekehrt wird während Hitzeperioden zuviel Dünger mobilisiert. Darum nicht mehr als 2-3 kg Langzeitdünger pro m³ beimischen. Es gibt neuerdings 2-Phasendünger, die wasserlösliche Nährsalze und Langzeitdünger enthalten, z. B. Compo 2-Phasendünger für Balkon- und Kübelpflanzen.

Hornspäne (14 % N) verhalten sich bei niedrigen Temperaturen wie LZD. Blumenerden mit Langzeitdünger nicht monatelang lagern. Reste mit anderen Erden verdünnen, da der Dünger mobilisiert wird und hohe Salzkonzentrationen entstehen.

Komposterden haben in der Regel hohe Phosphat- und Kaligehalte und sehr niedrige Stickstoffgehalte, das sollte bei der Aufdüngung beachtet werden. Gießwasser aus eigenen Brunnen, vor allem bei sandigen Böden und Viehzucht in diesem Bereich, haben häufig sehr hohe Nitratwerte, z. T. über 100 mg je Liter Wasser. Dann können Sie ihre Stickstoffdüngung stark verringern.

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Dann wenden Sie sich an den Verfasser.
Karl-Heinz Saak , Email: k-h.saak@t-online