Blaukorn - (m)eine Ansichtssache


von Ede Faust

In den dunklen Anfangstagen meiner Fuchsienleidenschaft kaufte ich als blutigster Laie ein kleines Sortiment Jungpflanzen: schön bewurzelte Stecklinge, alle schon mit mehreren Blattpaaren. Sie sollten es gut haben bei mir, und so gab ich jedem einen neuen großen Topf mit bester Blumenerde und damit sie auch gut wachsen, eine tüchtige Portion Hornspäne (die sind immer gut) und (warum auch nicht?) je Pflänzchen einen Teelöffel Blaukorn nach dem Motto: viel hilft viel. Gut angegossen, die Neuen ins Treibhaus und gespannt auf die schönen Blüten gewartet.

Nach einigen Tagen welkten alle Pflanzen, wenig später hatte ich alle gemeuchelt.

Die Sache hat mich geprägt und eine Zeit lang habe ich Blaukorn als „Teufelszeug" verbannt. Bei den Treffen des Freundeskreises kam aber immer wieder die Diskussion auf: Blaukorn pro und contra. Ich möchte deshalb einmal alles zusammenfassen, was mir bekannt ist, ich bin für jede neue Erkenntnis dankbar:

Was allgemein als „Blaukorn" bezeichnet wird, ist ein blauer Mineraldünger in Granulatform mit hoch angereicherten Nährsalzen, mit und ohne Ammonium-Stabilisator, mit und ohne Zusatzstoffen und Spurenelementen. Alle Produkte haben die Eigenschaft, dass die Nahrungsstoffe der Pflanze sofort und ohne Einwirkung von Bodenlebewesen zu Verfügung stehen. Genau hier liegt die Gefahr der Überdüngung: die Pflanze muss aufnehmen. Wird wenig Blaukorn verteilt, ist nichts dagegen einzuwenden, hier liegt das Geheimnis erfahrener Fuchsienliebhaber, die über die Jahre beste Erfahrungen gemacht haben.

Schnell kann sich das Blatt aber wenden. Der Hersteller Compo empfiehlt 40-120 g pro qm, je nach Pflanze und Standort, bitte einmal abwiegen, dann sieht man, wieviel das ist. Bei einer Überversorgung werden die Pflanzen „genudelt", die Zellen blähen sich auf, die Pflanze wird erfahrungsgemäß anfälliger gegen Schädlinge. Gibt man noch mehr Dünger, kann die Pflanze das notwendige Salz-zu-Wasser-Verhältnis nicht mehr herstellen und wird geschädigt bis hin zum Absterben.

Eine andere Möglichkeit des verteilenden Einsatzes ist, das Blaukorn im Wasser aufzulösen. Als gutes Rezept hat sich 1 Eßlöffel auf 10 Liter Wasser erwiesen. Aber Vorsicht: Auch hier ist Überdüngung möglich, deshalb immer die englische Regel „weekly weakly" (wöchentlich schwach) im Hinterkopf haben.

Darauf achten, welches Blaukorn verwendet wird. Es gibt z. B. eine Sorte mit 11 % Schwefelanteil!

In der vom Hersteller angegebenen Dosierung kann der Dünger im Freiland durchaus verwendet werden, in Töpfen und Kübeln rate ich zu größter Vorsicht!

 

40 und 120 Gramm